Buch "Abenteuer Dialyse"
(erstellt am: 22.02.2008 - letzte Änderung:30.07.2008 - aufgerufen: 1243 Mal)

Dialysen als Hämodialyse oder Peritonealdialyse sind heute durch Hightech-Geräte inklusive der erforderlichen Medikamente und Zubehör zur Routine geworden. Dazu gehören selbstverständlich auch gute Shunts (Fisteln) für die Hämodialyse. Heute gibt es Dialysepatienten, die bereits 30 Jahre erfolgreich behandelt werden.

Vielen Dialysepatienten wird allerdings nicht bewusst, dass das medizinische Know-how im Bereich der Nierenheilkunde mit etwa 70 Jahren vergleichsweise recht jung ist. Nicht zuletzt deshalb ist das Buch

Abenteuer Dialyse – Menschen und Technik

von Petra Knödler und Elisabeth Pfinder-Nohe vor allem für Dialysepatienten und Nierentransplantierte von besonderem Interesse. Beide Autorinnen besitzen eine Berufserfahrung als Dialyse-Schwestern von über 30 Jahren. Sie sind heute noch in der PHV im Heimdialysetraining aktiv tätig.

Das Buch beginnt mit einer Einführung in die Medizingeschichte von Nierenerkrankungen und Dialyse. Beispielsweise mussten die ersten Dialyseversuche im Jahr 1929 erfolglos eingestellt werden. Erst 1945 überlebte die erste Patientin mit einem akuten Nierenversagen eine Hämodialyse.

Es folgt ein Rückblick auf den Alltag der Dialysestation des Stuttgarter Katharinenhospitals in den späten 60-iger und 70-iger Jahren. Die zu der Zeit noch unvollständige Technik und mangelndes Wissen mussten von den Patienten und dem Personal überwunden werden. Ein Beispiel: “In der Aktutdialyse gab es damals noch keinen Tank mit dem vorbereiteten Dialysat, vielmehr wurden Weichwasser, Elektrolyte (=Salze) und Zucker von Hand direkt in dem Spulentopf vermischt. Versäumte man das, weil dieses Verfahren nicht der Routine in der Abteilung entsprach, führte dies zu einer lebensbedrohlichen Hämolyse.”

Es gab in den Anfangsjahren viel zu wenig Dialyseplätze, insbesondere für Patienten mit terminalen Nierenversagen. Dialysepflichtige Patienten mussten deshalb unter Umständen warten, bis ein Platz durch den Tod eines anderen Kranken frei geworden war. Ärzte gingen zu dieser Zeit davon aus, dass das Leben von Patienten durch Dialyse nur um zwei bis drei Jahre verlängert werden konnte.

Das Buch wird durch interessante Berichte von Patienten und auch deren Angehörigen aus dieser Zeit ergänzt. Ein Patient berichtet beispielsweise auch über seine ersten Erfahrungen mit Feriendialyse, von der ihm sein Dialysearzt zunächst abgeraten hatte. Abschließend wird noch das Thema “Dialyse heute. Und morgen?” diskutiert.

Das Buch “Abenteuer Dialyse – Menschen und Technik” von Petra Knödler und Elisabeth Pfinder-Nohe (268 Seiten, ISBN 3-8334-3904-1, Preis 19,90 Euro) ist in einem Eigenverlag erschienen.

Günter Mußtopf, Hamburg (Dialysepatient)


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