Arzneimittelverbrauch
(erstellt am: 10.09.2008 - letzte Änderung:29.09.2008 - aufgerufen: 6453 Mal)
Das IGES, ein privatwirtschaftlich geführtes Institut zur Untersuchung von Fragen und Problemen im Gesundheitswesen, hat im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller, den Arzneimittelverbrauch in Deutschland untersucht. Trotz aller Sparappelle und Sparmaßnahmen sind die Ausgaben für Medikamente im Jahr 2007 in Deutschland erneut gestiegen. Die Krankenkassen mußten 28 Milliarden Euro für Medikamente und Impfstoffe ausgeben, das ist eine Steigerung um 6,4 %. Dabei hat die Senkung der Arzneimittelpreise zu einer Verminderung um 205 Millionen Euro geführt.

Als Gründe für die Mehrausgaben werden angegeben: die Erhöhung der Mehrwertsteuer (immerhin 0,7 Milliarden €) und die verschriebe Menge der Medikamente, besonders zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen. Diese wiederum sind verursacht durch das höhere Durchschnittsalter der Bevölkerung. Man muss diesen Trend nicht nur negativ sehen: Er bedeutet nämlich auch, dass viele Krankheiten konsequenter behandelt werden, was zum Beispiel an der geringeren Sterblichkeit bei Herzmuskelinfarkten erkennbar ist. Diese ging in den letzten 40 Jahren um 50 Prozent zurück. Diese Besserung hat natürlich auch andere Ursachen. Die bessere und vor allem schnellere Versorgung mit Herzkathetern und mit Bypassoperationen sowie eine intensivere Behandlung mit Medikamenten. Ob ein gesundheitsbewussteres Verhalten der Menschen eine Rolle spielt, mag man bezweifeln. Insgesamt ging seit 1968 die Sterblichkeit von 729 pro 100.000 Menschen auf 300 zurück.


Arzneimittelkosten

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Krankenkassen: Die Knappschafts-, Bahn- und Seekassen mußten 453,38 Euro pro Versicherten ausgeben, die IKK (Innungskrankenkassen) dagegen nur 178,57 Euro. Die Erklärung liegt im unterschiedlichen Alter der Versicherten. Aber auch zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede: in Mecklenburg-Vorpommern wurden 50% mehr Lipidsenker (Substanzen, die die krankhaft erhöhten Blutfette senken) pro Versicherten verschrieben als in Hamburg. Die Untersucher sind der Meinung, dass die Ursache in der höheren Arbeitslosigkeit im Osten zu finden ist (16,5 gegen 9%), die wiederum zu Frustration, Depression, Hochdruck, vermehrtem Rauchen und höherem Körpergewicht führt (Arbeitslosigkeit macht krank).

Erstaunlich ist, dass auch die Preise für die Medikamente sich erheblich unterscheiden. Eine Arzneimittelpackung kostet in Berlin im Durchschnitt 53 Euro, das sind 23 % mehr als im Bundesdurchschnitt, den niedrigsten Preis fand man in Westfalen-Lippe mit 38 Euro. Deutlich gespart haben die Kassen auch durch den Abschluß von Rabattverträgen mit den Pharmafirmen. Trotz aller Sparmaßnahmen sind schon im Zeitraum von Januar bis Juni 2008 die Ausgaben für Arzneimittel um 5,4 % gestiegen.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 105, Heft 36, 5 September 2008-09-09
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