ASS und Demenz
(erstellt am: 11.09.2007 - letzte Änderung:05.02.2008 - aufgerufen: 877 Mal)
Hilft ASS gegen Demenz?
ASS ist Acetylsalicylsäure, diese Substanz ist seit über 100 Jahren als Aspirin bekannt und wird seitdem hauptsächlich als Schmerz- und Rheumamittel benutzt. Schon Thomas Mann hat die Wirkung sehr gelobt.

Seitdem man eine andere Wirkung von ASS kennt, nämlich die Fähigkeit, nach einmaliger Einnahme für fast eine Woche die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu vermindern, wird es als gerinnungshemmendes Mittel eingenommen. Es schützt durch Arteriosklerose verengte Gefäße vor einem Verschluss durch örtliche Thrombosen.

Diese positive Wirkung ist allerdings gleichzeitig das Problem dieses Stoffes, er muss wegen der Gerinnungshemmung eine Woche vor einer Operation abgesetzt werden. Da es Magengeschwüre verursachen kann, dürfen Menschen, die zu Geschwüren neigen, es nur zusammen mit einem Medikament gegen Magengeschwüre nehmen.

Als Demenz wird der geistige Abbau bezeichnet, mit dem wir rechnen müssen, wenn wir alt werden. Bei Menschen über 90 hat jeder Zweite eine Demenz. Sie hat verschiedene Ursachen, sie kann durch Arteriosklerose, also Mangeldurchblutung, verursacht sein, aber es kann auch eine Alzheimererkrankung zugrunde liegen. In den USA wurde in einer großen Studie, der Women’s Health Study, die vorbeugende Wirkung von ASS auf die Entwicklung von Herz- und Kreislauferkrankungen untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass bei Frauen ab dem 65. Lebensjahr eine Reduzierung der Herzmuskelinfarkte und der Schlaganfälle zu verzeichnen war.

Dieiese Untersuchung wurde mit der Frage fortgesetzt, ob der Rückgang des Wortgedächtnisses bei Frauen über 65 ebenfalls durch ASS beeinflusst werden kann. Die Studie wurde doppelblind durchgeführt, die Teilnehmerinnen bekamen jeden 2. Tag 100 mg Acetylsalicylsäure = ASS. 7175 Frauen nahmen 6 Jahre lang an der Studie teil. Das Durchschnittsalter lag bei 66 Jahren. Es stellte sich heraus, das zwischen der Gruppe, die ASS genommen hatte und der Gruppe, die ein Scheinmedikament bekommen hatte, kein Unterschied festzustellen war. Nur in einer Untergruppe von Frauen, Raucherinnen und solchen mit erhöhtem Cholesterin, konnte man eine vorbeugende Wirkung von ASS auf die Entwicklung einer Demenz feststellen. Dieser Trend war aber so schwach ausgeprägt, dass die Egebnisse weiterer Studien abgewartet werden müssen.

Kommentar:
Da sowohl das Rauchen als auch das erhöhte Cholesterin zu Gefäßveränderungen mit Durchblutungsstörungen führen, war hier eine Wirkung von ASS fast zu erwarten. Besser wäre es in diesen Fällen wohl, auf das Rauchen zu verzichten und durch geeignete Maßnahmen, wie Diät, Bewegung und eventuell fettsenkende Medikamente, die Fette zu normalisieren. Es wäre zwar nicht ungewöhnlich, aber äußerst widersinnig, ein Übel mit einem Zweiten zu bekämpfen, d.h. den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)
Quelle: "UpToDate" ( www.uptodate.com )

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