Blutdruckmessung
(erstellt am: 08.07.2007 - letzte Änderung:08.02.2008 - aufgerufen: 780 Mal)
Etwa die Hälfte aller Todesfälle in der westlichen Welt werden durch Herz- und Kreislauferkrankungen verursacht. Dazu gehören die Durchblutungsstörungen des Herzmuskels (der Herzmuskelinfarkt), des Gehirns (der Schlaganfall), der Bauchorgane (z.B. der Infarkt im Bereich der Nieren oder des Darms) sowie der Bauchschlagader und der Beingefäße. Fast 200 000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen Schlaganfall (s.a. „Schlaganfall" im Nierenlexikon).

Die Ursachen dieser Gefäßveränderungen sind vielfältig: Dazu zählen Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), schweres Übergewicht, Bewegungsmangel, Erbfaktoren und ganz besonders der hohe Blutdruck. Die Diagnose des Hochdrucks ist sehr einfach und seine Therapie sehr wirkungsvoll. Beide Maßnahmen sind preiswert.

Wie wichtig eine möglichst exakte Blutdruckmessung ist und wie erfolgreich seine Normalisierung ist, soll folgende amerikanische Statistik verdeutlichen: Würden Blutdruckmessgeräte systematisch den unteren Blutdruck um 5 mm Hg zu niedrig, das heißt: „zu gut“ angeben, würden in den USA etwa 21 Millionen Menschen mit einem zu hohen Blutdruck von 90 bis 95 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) nicht als behandlungsbedürftig erfasst. Würde man aber bei diesen Menschen den Blutdruck normalisieren, könnten in 6 Jahren 25 000 tödliche Herzmuskelinfarkte und ebenso viele Schlaganfälle vermieden werden.

Auch Fachleute machen Fehler: Bei Untersuchungen in Deutschland, England und den USA fanden sich die Ziffern Null und Fünf viel zu häufig in den Ergebnissen der Blutdruckmessung durch medizinisches Personal, empfohlen wird aber eine Messung auf 2 mm Hg genau. Es wurde also unzulässig auf- oder abgerundet.

Die Messung / Vorbereitung
Für die Beurteilung der Messwerte muss man wissen, ob sie vor oder nach Einnahme der blutdrucksenkenden Medikamente ermittelt wurden. Die Messung wird nach einer Ruhepause von 3 bis 5 Minuten im Sitzen durchgeführt. Eine vorherige Stressbelastung sollte vermieden werden. Bei Patienten, die schon durch den Arztbesuch einen höheren Blutdruck bekommen, ist das schwer zu erreichen (sog. „Weißkittelhochdruck“).

Es wäre besser, wenn vorher weder Alkohol noch Nikotin konsumiert würden. Der Arm, an dem gemessen wird, sollte nicht bekleidet sein. Die Manschettengröße muss zum Oberarmumfang passen. Bei Verwendung der falschen Manschettengröße können Fehlmessungen bis zu 10 mm Hg erfolgen
ArmumfangManschettengröße
Unter 24 cm10 mal 18 cm
24 bis 32 cm12 mal 24 cm
33 bis 41 cm15 mal 30 cm
Über 42 cm18 mal 36 cm

Die Maße beziehen sich auf den aufblasbaren Teil der Manschette.
Diese muss fest anliegen, der untere Rand soll 2,5 cm von der Ellenbeuge entfernt sein. Der Druck wird langsam abgelassen: ca. 3 mm Hg/Sekunde. Bei zu schnellem Ablassen wird der systolische (obere) Blutdruck zu niedrig und der diastolische (untere) zu hoch gemessen. Es sollte möglichst zwei- bis dreimal nacheinander gemessen werden.

Als oberer (systolischer) Wert gilt der Manschettendruck, bei dem das erste Geräusch gehört wird, entsprechend gilt der Wert, bei dem das letzte Geräusch gehört wird, als der untere (diastolische) Druck. Manchmal hört man Geräusche bis zum Nullwert, dann gilt als der untere Wert der Manschettendruck, bei dem das Geräusch deutlich leiser wird.
Bei modernen Geräten erscheinen beide Blutdruckwerte auf einem Display, zusätzlich wird meistens die Pulsfrequenz angezeigt.

Wird der Patient erstmalig untersucht, sollte der Druck an beiden Armen gemessen werden, da durch Gefäßverengungen erhebliche Differenzen entstehen können. Ein kleiner Unterschied zwischen beiden Armen ist normal. Bei unterschiedlichen Werten gilt der höhere. Besonders unter einer blutdrucksenkenden Behandlung und bei älteren Menschen ist eine Messung im Stehen zu empfehlen, um einen zu starken Druckabfall in aufrechter Haltung zu erkennen und eventuell durch eine Therapieänderung zu vermeiden. Dieses Problem ist öfters zu beobachten, wenn mehrere Blutdrucksenker zur gleichen Zeit eingenommen werden und gleichzeitig ihre Wirkung entfalten. Der Messpunkt sollte in Herzhöhe liegen. Das ergibt sich bei der Oberarmmessung meistens von selbst, muss aber bei der Handgelenkmessung berücksichtigt werden.

Geräte und Kontrollen
Die oben beschriebene Messtechnik mit einem Stethoskop (Hörrohr) ist für die häusliche Kontrolle nicht praktisch. Eine Kontrolle durch den Patienten selbst hat viele Vorteile: der Praxisstress fällt weg, der Patient hat mehr Zeit, die Messung erfolgt in der vertrauten Umgebung und unter Alltagsbedingungen, sie kann – zum Beispiel mit einem Handgelenkgerät – auch am Arbeitsplatz durchgeführt werden. Da viele Geräte eine Memoryfunktion haben, können die gesammelten Werte beim nächsten Praxisbesuch demonstriert werden. Inzwischen gibt es auch eine Software, die eine Darstellung der gespeicherten Werte am Praxiscomputer ermöglicht.

Batteriebetriebene Vollautomaten für die Oberarmmessung haben sich in Tests als zuverlässig bewährt. Handgelenkgeräte mit Prüfsiegel sind ebenfalls zu empfehlen. Aber sie messen nicht bei jedem Menschen gleich präzise. Man sollte sie mittels einer Vergleichsmessung mit einem Oberarmgerät überprüfen.
Eine Kontrolle der Blutdruckeinstellung mit einer über 24 Stunden gehenden Messung ist sinnvoll, da man auch die sehr wichtigen nächtlichen Werte erfasst. Ein um etwa 10 mm Hg niedrigerer nächtlicher Wert ist normal. Ein Vergleich der Blutdruckmessung in der Praxis, zu Hause und mittels der 24 Stunden-Messung zeigt eindeutig, dass die Letztere am zuverlässigsten ein zukünftiges Erkrankungsrisiko anzeigt.

Bei Hämodialysepatienten, deren Behandlung über eine arterio-venöse Fistel ("Shunt") am Arm durchgeführt wird, erfolgt die Blutdruckmessung am anderen Arm. Sollte einmal z.B. aufgrund einer Verletzung oder Operation doch am Shuntarm gemessen werden, bedeutet das für den Shunt keine Gefahr, da der Blutstrom ja nur für Sekunden unterbrochen wird. Damit ist der untere Blutdruck aber wegen des Strömungsgeräusches kaum festzustellen.
Während der Dialyse kann am Bein gemessen werden.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 104, Heft 20, Mai 2007
UpToDate, www.http://uptodate.com
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