| Fehler im Beitrag? Beitrag aktualisieren? | ||
| | ||
| Crossover-Transplantation | ||
| (erstellt am: 24.05.2007 - letzte Änderung:24.05.2007 - aufgerufen: 993 Mal) | ||
|
Seit vielen Jahren existiert, nicht nur in Deutschland, sondern in mehreren europäischen Ländern, auch in den USA, das Problem, dass für die vielen Dialysepatienten auf der Warteliste von Eurotransplantat (12.000 Patienten) zu wenige Spendernieren von Verstorbenen zur Verfügung stehen. Auch das neue Transplantationsgesetz von 1997 hat daran nicht viel geändert. Eine inzwischen in vielen Ländern zunehmend genutzte Alternative zur Leichennierenspende ist die Lebendspende von einem Verwandten oder von einem nicht blutsverwandten, aber emotional mit dem Kranken verbundenen Spender, zum Beispiel Ehepartner, langjährige Freunde oder Lebenspartner. Die Ergebnisse dieser Organübertragung, bei der das verpflanzte Organ keine oder nur wenig Gewebsähnlichkeit mit dem Empfänger aufweist, sind ausgesprochen gut. So hat also die oben genannte Notsituation mit durchschnittlichen Wartezeiten von zur Zeit sechs Jahren in Deutschland, zu einer in manchen Ländern enormen Zunahme der Lebendspende geführt. In den USA machen Lebendspenden inzwischen ca. 50 Prozent aller Nierentransplantationen aus. In den skandinavischen Ländern hat die Lebendspende ohnehin eine lange Tradition. In Deutschland beträgt der Anteil der Lebendspenden derzeit etwa 15 Prozent. Es liegt auf der Hand, dass die Versuchung sehr groß ist, mit einem Organ zu handeln beziiehungsweise Geld zu verdienen. Zwar wird die Motivation der Spender sehr genau durch sogenannte "Lebendspendekommissionen" bei den Ärztekammern geprüft, aber zwischenmenschliche Beziehungen sind nicht vollständig überprüfbar. Ablehnungen gibt es so gut wie nie. In den USA wird inzwischen eine anonyme Organspende geduldet. In Deutschland ist zumindest eine Lebendnierentransplantation auf kommerzieller Basis durchgeführt worden. Ein besonderes Problem tritt auf, wenn bei einer Lebendspende in einer Partnerschaft eine Blutgruppenunverträglichkeit besteht. Eine Übertragung von zum Beispiel Blutgruppe A auf B oder von der Gruppe A auf Null ist nicht möglich. Um dieses Problem zu umgehen, wurde 1999 an der Universitätsklinik Freiburg eine sogenannte Crossover-Transplantation (also "Transplantation über Kreuz") zwischen zwei blutgruppenungleichen Paaren vorgenommen. Diese Transplantation hatte heftige öffentliche, kontroverse Diskussionen zur Folge. Im Jahr 2003 erging ein Urteil des Bundessozialgerichtes, in dem festgestellt wurde, dass in Einzelfällen, in denen eine besondere persönliche Verbundenheit zwischen dem jeweiligen Spender und Empfänger nachgewiesen wird, solche Organverpflanzungen durchgeführt werden dürfen. Um in dieser juristisch nicht eindeutigen Situation trotzdem die von beiden Partnern gewünschte Organverpflanzung vornehmen zu können, sind in den letzten Jahren verschiedene Verfahren ausprobiert worden. Zum Beispiel hat man eine eine sogenannte Plasmapherese angewendet, mit der sehr viele Eiweiße aus dem Blut entfernt werden, unter anderem auch die Eiweiß-Antikörper gegen die fremde Blutgruppe. (Mayo-Klinik). Dieses Verfahren ist sehr aufwendig und riskant, weil durch Entfernung so vieler Abwehrstoffe die Patienten stark infektionsgefährdet sind. An der Universität Freiburg hat man jetzt ein in Schweden entwickeltes Verfahren benutzt, um mit Hilfe eines spezifischen Filters nur die gegen die fremde Blutgruppe gerichteten Antikörper zu entfernen. Gleichzeitig erhält der Empfänger einen Eiweissstoff (Rituximab), der gegen diejenigen Zellen (B-Lymphozyten) gerichtet ist, die den Antikörper gegen die fremde Blutgruppe produzieren. Wenn alle Antikörper gegen die nicht passende Blutgruppe entfernt sind, beziehungsweise nicht mehr gebildet werden können, wird die Transplantation durchgeführt. Im weiteren Verlauf muss öfters überprüft werden, ob der oben genannte Antikörper erneut gebildet wird. Ist dies der Fall, werden diese mit dem Spezialfilter wieder entfernt. An der Unversitätsklinik Freiburg wurde bisher ein Patient auf diese Weise mit sehr gutem Ergebnis transplantiert, ähnlich gute Resultate werden aus Japan, Schweden und den USA berichtet. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
Nephro-Glossar Copyright © 2009 Dialyse im Alstertal | ||
| per Email versenden | ||
