Darmspiegelung
(erstellt am: 19.12.2007 - letzte Änderung:19.12.2007 - aufgerufen: 756 Mal)
Ist eine vorbeugende Darmspiegelung sinnvoll?
Alle Deutschen ab dem 55. Lebensjahr haben Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Früherkennung des Darmkrebses. Sie kann alle 10 Jahre in Anspruch genommen werden. Diese vorbeugende Untersuchung gibt es seit dem Oktober 2002. In der Bundesrepublik werden in jedem Jahr 60.000 Fälle von Darmkrebs diagnostiziert, die Hälfte der Betroffenen stirbt an diesem Leiden. Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebsart. Deutschland hat hier in Europa leider die höchste Rate. 5,6 % der Männer ab 55 Jahren und 6,8 % der Frauen nutzen diese vorbeugende Möglichkeit der Krebsfrüherkennung. In 0,8 % der Untersuchungen wird ein Krebs entdeckt, das sind immerhin 4.000 Fälle pro Jahr. In einem weiteren Drittel aller Spiegelungen finden sich Adenome (Drüsengeschwulst) und Polypen, die in der gleichen Sitzung entfernt werden können. Diese können Vorstufen einer Krebserkrankung sein. Eine Darmspiegelung ist nicht angenehm, kann aber auf Wunsch in einer Kurznarkose durchgeführt werden. Komplikationen, überwiegend leichterer Art, treten bei etwa 3 von 1.000 Untersuchungen auf.

Im Deutschen Ärzteblatt vom Dezember 2007 wird über eine in Polen durchgeführte Studie berichtet. Untersucht wurde die Frage, wie viele Menschen sich je nach Alter, Geschlecht und familiärer Belastung untersuchen lassen müssen, damit ein Darmkrebs entdeckt werden kann. Im Alter zwischen 40 und 49 Jahren sind es bei den Männern 30, bei den Frauen 32; bei den 50- bis 54-Jährigen sind es nur noch 18 bei den Männern und 31 bei den Frauen. Die Zahl verringert sich in der Gruppe zwischen 55 bis 59 bei den Männern auf 12 und bei den Frauen auf 23, bei den Untersuchten zwischen 60 und 65 Jahren auf 10 und 19. Wenn eine familiäre Belastung mit Darmkrebs vorliegt, reduzieren sich die Zahlen um etwa ein Drittel.

Man erkennt deutlich die Abhängigkeit des Auftretens von Darmkrebs vom Alter und von der familiären Neigung, an einem solchen Krebs zu erkranken. Es sollten also mehr Menschen diese Chance der frühen Krebsdiagnose oder besser des Krebsausschlusses nutzen. Ob diese Maßnahme statistisch einen Nutzen bringt, wird sich erst in einigen Jahren feststellen lassen.

Gunther Warnecke,Hamburg (Internist)
Quelle: Deutsches Ärzteblatt Jahrgang 104, Heft 50, 14. Dezember 2007-12-18 und Internetseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: www.kbv.de//presse/1240.html

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