Diagnostik
(erstellt am: 16.04.2007 - letzte Änderung:03.05.2007 - aufgerufen: 898 Mal)
Das Wort kommt aus dem Griechischen: „diagnosis – unterscheidende Beurteilung, Erkenntnis“. Alle Maßnahmen, die geeignet sind, eine bestimmte Krankheit zu erkennen.

Die Diagnostik beginnt mit der Erhebung der Anamnese (Vorgeschichte), welche sehr unfassend sein kann. Sie beinhaltet, je nach Krankheitsbild, die Vorgeschichte der eigenen aktuellen und früheren Krankheiten, der Beschwerden, der Medikamente und Drogen, die jemand einnimmt, der speziellen Bedingungen des Berufes oder des jetzigen Arbeitsplatzes und der früheren Arbeitsplätze, wenn es um Belastungen durch zum Beispiel Stäube und Gase geht. Bei Frauen gehört dazu, wann die Regel einsetzte, wie viele Kinder sie geboren haben, wie der Schwangerschaftsverlauf war und ob sie Hormone einnehmen. Auch die Frage nach Kinderkrankheiten kann wichtig sein, ebenso die Kenntnis von Krankheiten in der näheren Familie.

Sehr aufschlußreich sind oft Informationen aus dem sozialen Bereich, Fragen nach dem Partner, nach den Familienbeziehungen und nach Kindern. Bei Verdacht auf Infektionen kann die Kenntnis von Fernreisen entscheidend sein, auch die Frage nach Haustieren kann weiterführen. Da dem Arzt für jeden Patienten oft nur sehr wenig Zeit zur Verfügung steht, werden Vorgeschichten häufig gezielt und verkürzt oder per Fragebogen erhoben.

Der nächste Schritt ist die körperliche Untersuchung, die schon mit dem Ansehen des Patienten beginnt, wenn er das Zimmer betritt. Sie umfaßt dann die Inspektion des ganzen Körpers in entkleidetem Zustand, das Abhorchen (des Herzens, der Lunge und der Gefäße), das Abklopfen des Brust- und Bauchraumes, die Kontrolle aller tastbaren Pulse, die Beweglichkeit der Gelenke, die Körperhaltung, das Messen des Blutdrucks und vieles mehr. Natürlich gibt es je nach Erkrankung sehr vereinfachte, gezielte Untersuchungen, wie zum Beispiel die Inspektion eines Gelenkes oder einer Extremität bei einer Verletzung.

Das Spektrum der apparativen Untersuchungen ist riesig. Es umfaßt alle Röntgentechniken vom einfachen Bild der Organe des Brustraumes bis hin zu eingreifenden Techniken mit Injektion von Kontrastmitteln zur Gefäßdarstellung oder radioaktiven Substanzen zur Abbildung zum Beispiel der Schilddrüse.
Besonders hilfreich können Schichtuntersuchungen mittels Computertomographie oder Kernspintomographie sein. Einen wichtigen Platz nimmt die – unschädliche – Ultraschalluntersuchung (Sonographie) ein, die viele Röntgenuntersuchungen überflüssig gemacht hat.

Einen tiefen Einblick in den menschlichen Körper ermöglichen die Endoskopien, die Spiegelungen der inneren Organe, bei denen man die Möglichkeit hat, Gewebe zu entnehmen und unter dem Mikroskop untersuchen zu lassen (Magen-, Darm-, Blasen-, Bauch-, Brustraumspiegelung). Aber auch ohne Spiegelung kann man mittels spezieller Techniken Organe punktieren und Gewebe gewinnen.

Ebenfalls aufschlussreich sind Funktionstests, die bei einer noch normalen anatomischen Darstellung eines Organs schon erhebliche Leistungsdefizite aufdecken können, wie zum Beispiel Lungenfunktionsuntersuchung mit Bestimmung der Atemgase Sauerstoff und Kohlendioxid oder ein Belastungs-EKG mit Nachweis einer Mangeldurchblutung unter Belastung.

Schier unübersehbar ist die Zahl der Laboruntersuchungen, ein modernes Buch über Laborttests umfaßt mindestens 2000 Seiten. Allein diese Zahl zeigt schon, dass man solche Tests nicht routinemäßig durchführen kann. Da besonders die invasiven (in den Körper eingreifenden) Untersuchungen zum Teil erhebliche Nebenwirkungen haben können, ist auch hier sorgfältig abzuwägen, ob diese notwendig sind.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Nephro-Glossar
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