Dialysemembranen / Dialysefilter
(erstellt am: 09.03.2007 - letzte Änderung:30.07.2008 - aufgerufen: 1754 Mal)
Zusammenfassung: Darstellung der Entwicklung der Dialysemembranen von den Zellulose- zu den modernen Synthetikmembranen. Beschreibung ihrer Eigenschaften und der Dialysetechnik.

Dialyse (Abk.: D.), griechisch dialysis: Auflösung, ist ein Verfahren, um kleinmolekulare Stoffe von größeren (zum Beispiel. Kolloide, Eiweiße) zu trennen. Sie wird in der Technik und in der Medizin angewendet. Man benutzt dazu halbdurchlässige Membranen, die kleinere Moleküle und Wasser passieren lassen und größere zurückhalten. Die Membranen bestanden früher aus Kollodium, Tierhäuten, Pergament oder Zellulose als Zellophan; heute benutzt man fast ausschließlich Kunststoffe oder chemisch veränderte Zellulose. Diese letztere ist für kleine Substanzen wie Harnstoff, Kreatinin oder ähnliche Stoffe gut durchlässig. Schlechter ist die Durchlässigkeit für Wasser (man nennt das die Ultrafiltrationsleistung) und größere Stoffe, so genannte Mittelmoleküle, von denen man annimmt, dass sie viele Symptome der Nierenvergiftung verursachen. Außerdem aktivieren Zelluloseabkömmlinge sehr stark das Immunsystem. Das ist unerwünscht, weil die Nierenvergiftung für sich schon einen chronischen Entzündungsvorgang verursacht. Dieser könnte mitverantwortlich sein für die bei Patienten mit chronischer Nierenschwäche bekannte frühzeitig auftretende Atherosklerose.

Die Kunststoff- oder synthetischen Membranen aktivieren das Immunsystem wesentlich weniger und sind damit besser verträglich. Sie haben eine höhere Durchlässigkeit für Mittelmoleküle und Wasser (hohe Ultrafiltration). Sie bestehen aus PAN = Polyacrylnitril, PS = Polysulfon, oder Polyamid. Diese Stoffe gelten als biokompatibel, also gut verträglich. Die PAN-Membran wird seltener verwendet, seitdem bei Patienten, die ACE-Hemmer als blutdrucksenkendes und herzstärkendes Mittel bekamen, schwere Unverträglichkeitsreaktionen auftraten.
Die ersten Dialysefilter waren Plattendialysatoren, deren Membranen flächig angeordnet waren. Auf der einen Seite floss das Blut und auf der anderen die Spüllösung. Sie waren groß und wiesen häufig Leckagen auf. Heute gibt es fast ausschließlich Kapillardialysatoren. Sie haben die Form eines Zylinders, in dem 8000 bis 10000 aus Kunststoff gesponnene Hohlfädchen gebündelt sind. Durch diese fließt das Blut, umspült werden sie von einer Salzlösung. Sie werden maschinell gefertigt, sie sind stabil, leicht, preiswert und sehr sicher. Sie lassen sich platzsparend transportieren und lagern.

Die Entwicklung der Dialysefilter ist gekennzeichnet von dem Bemühen, die Filterfunktion der menschlichen Niere nachzuahmen oder im besten Fall zu kopieren. Mit den heutigen Dialysatoren haben wir uns diesem Ziel deutlich genähert.

In den Filterkörperchen der Niere werden fast alle gelösten Bestandteile des Blutes gefiltert. Anschließend holt sich der Organismus aus den Tubuli, den Nierenkanälchen, alles zurück, was er gebrauchen kann. Der nicht verwertbare Rest wird in wenig Flüssigkeit konzentriert und als Urin ausgeschieden.

In der Dialysetechnik ist nur der erste Teil der Prozedur, der Filterprozess, unvollkommen nachgeahmt. Ein weiterer großer Unterschied zwischen Natur und Technik liegt aber in der Dialysedauer. Unsere Nieren arbeiten 24 Stunden am Tag, die durchschnittliche Dialysezeit in Europa beträgt 3 x 4 bis 3 x 5 Stunden in der Woche.

Es gibt einige wenige Ausnahmen. Man kann die Dialysezeit den natürlichen Verhältnissen anpassen, indem man dreimal oder sechsmal in der Woche nachts 8 Stunden dialysiert. Die Ergebnisse der nächtlichen Langzeitdialyse sind hervorragend. Eine weitere, vielversprechende Möglichkeit ist die tägliche Kurzzeitdialyse.

Zur Hämodialyse, der „Blutwäsche“ gibt es eine Alternative, die in Europa eher selten angewandt wird, die Peritoneal- oder Bauchfelldialyse.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Nephro-Glossar
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