Diuretika
(erstellt am: 18.02.2007 - letzte Änderung:03.05.2007 - aufgerufen: 1145 Mal)
Diuretika (Mehrzahl von Diuretikum) sind Stoffe, die eine verstärkte Wasser- und Salzausscheidung über die Nieren bewirken. Damit entfernen sie überflüssiges Wasser aus dem Körper und senken den Blutdruck.

Der Normalfall: Die Ein- und Ausfuhr von Wasser und Salzen wird über ein äußerst kompliziertes Regelsystem sehr präzise geregelt. Viele Hormone sind daran beteiligt: Aldosteron aus der Nebennierenrinde hält Wasser und Kochsalz im Körper zurück, wenn der Blutdruck zu stark absinkt oder wenn dem Körper wegen heftigen Durchfalls, Erbrechens oder Schwitzens ein zu starker Wasser- und Kochsalzverlust droht. Gleichzeitig mit Aldosteron wird ein zweites System aktiviert, das Renin-Angiotensin-System, welches den Blutdruck erhöht.

Das Gegenteil geschieht, wenn in den Messfühlern der Herzwand ein zu starker Druckanstieg gemessen wird, zum Beispiel bei einer Herzmuskelschwäche; dann werden hier Hormone freigesetzt, die eine vermehrte Wasserausscheidung bewirken und so das Herz entlasten. Druckmesseinrichtungen gibt es auch in vielen Schlagadern und besonders in der Niere.

Ein Hormon aus dem Hinterlappen der Hirnanhangdrüse, das Adiuretin, bewirkt wiederum, dass Wasser über die Niere zurückgehalten wird. Fehlt es völlig, entsteht ein massiver Wasserverlust, der ein Ausmaß von bis zu 20 Litern Urin pro Tag erreichen kann. Geregelt wird die Ausschüttung dieses Hormons über die Messung der Salzkonzentration im Blut und Gewebe. Steigt sie an, wird über die Nieren so lange Wasser zurückgehalten, bis die Konzentration wieder normal ist. Ist zu viel Wasser im Körper oder die Salzkonzentration zu niedrig, wird weniger Adiuretin produziert und damit mehr Wasser ausgeschieden.

Diese wunderbare Regulation unseres Wasser- und Salzhaushaltes ist bei bestimmten Krankheiten überfordert oder fehlgeleitet: besonders bei Erkrankungen des Herzens, der Nieren und der Leber, die mit starker Überwässerung einhergehen. Hier werden mit viel Erfolg die Wasser ausschwemmenden Medikamente, die Diuretika, eingesetzt. Es gibt
  • stark und schwach wirksame,
  • es gibt solche, die schnell wirken,
  • andere, die ihre Wirkung langsam und schonend entfalten,
  • alte und neue und
  • es gibt keine, die ohne Nebenwirkung sind.
Sie greifen direkt in den Nieren an; es kommt zu einer verstärkten Ausscheidung von Kochsalz und damit Wasser, gleichzeitig geht vermehrt Kalium verloren.

Eine sehr oft benutzte Substanz ist das Hydrochlorothiazid, Kurzform HCT, welches sehr gut zur Behandlung des Hochdrucks und der chronischen Herzmuskelschwäche geeignet ist. Es ist gut verträglich und wirkt nicht sehr schnell und stark. Eine zu starke und schnelle Entwässerung mit Kochsalzverlust kann ebenfalls krank machen: es drohen Blutdruckabfall, Krämpfe und Austrocknung mit Gefahr der Bluteindickung und Thrombose. Man muss auf die drohende Kaliumverarmung achten, die besonders bei alten Menschen zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Erwünscht ist sie natürlich bei Krankheiten wie der Niereninsuffizienz, die mit einer Kaliumerhöhung im Blut einhergehen. Weitere unerwünschte Wirkungen sind eine Erhöhung der Harnsäure, die meistens mit Diät zu beherrschen ist, und eine schlechtere Diabeteseinstellung. Eine Erhöhung der Blutfettwerte tritt nur vorübergehend auf. Die Substanzen dieser Gruppe lassen sich gut kombinieren mit den Kalium sparenden Diuretika, weil dann die Gefahr des Kaliumverlustes nicht so ausgeprägt ist. Bekannte Medikamente sind Triamteren und Amilorid.

Das zweite wichtige Diuretikum, das eher bei akuter Erkrankung und bei Überwässerung infolge Nierenleistungsschwäche benutzt wird, ist das Furosemid, bekanntestes Präparat ist Lasix.
Es ist sehr gut geeignet, akute, bedrohliche Situationen, zum Beispiel eine Lungenüberwässerung, also ein Lungenödem, zu beseitigen. Aber in richtiger Dosierung kann man es ebenfalls für die chronische Anwendung benutzen. Auch hier ist die Gefahr des übermäßigen Kalium- und Kochsalzverlustes und des Harnsäureanstieges zu beachten. Ein ähnliches Medikament ist Torasemid.
Eine besondere Gruppe sind die Aldosteronantagonisten; sie sind direkte Gegenspieler des Hormons Aldosteron (siehe oben) und wirken am besten, wenn dieses Hormon vermehrt produziert wird. Zur Entwässerung kann man sie nur einsetzen, solange die Nierenfunktion noch ca. fünfzig Prozent beträgt. Bei ihrer Anwendung entsteht oft ein hoher Kaliumspiegel im Blut. Sie haben neben der Wasser- und Kochsalzausschwemmung die Eigenschaft, den kranken Herzmuskel zu stärken.
Auch Tee und Kaffee enthalten Stoffe, die Wasser treibend wirken (Theophyllin, Theobromin und Coffein); die Wirkung ist aber so schwach und über einen längeren Zeitraum nicht konstant, dass sie für die Behandlung der o.g. Erkrankungen nicht eingesetzt werden können.

Man hört immer wieder, dass Tee und Kaffee bei der Berechnung der Einfuhr nicht gezählt werden dürfen; das ist nicht richtig. Man muss aber bedenken, dass nach großen Mengen dieser Getränke mehr Flüssigkeit ausgeschieden werden kann als man getrunken hat. Beispiel: man trinkt einen Liter Kaffee und scheidet 1,2 Liter aus, dann darf man für die Einfuhr nur 0,8 Liter berechnen.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)




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