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| Grapefruit und Medikamente | ||
| (erstellt am: 21.08.2008 - letzte Änderung:21.08.2008 - aufgerufen: 5641 Mal) | ||
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Schon seit langem ist bekannt, dass Medikamente in Abhängigkeit von Nahrungsmitteln oder Getränken unterschiedlich gut vom Magen-Darmtrakt aufgenommen werden. Aus der Transplantationsmedizin weiß man, dass die Aufnahme von Sandimmun (Cyclosporin A, eine Substanz, die Abstoßungen verhindert) zusammen mit Grapefruitsaft erheblich verstärkt wird. Das ist von Bedeutung, weil ein zu hoher Spiegel dieses Medikamentes im Blut zu einer Schädigung des transplantierten Organs führen kann. Umgekehrt ist es so, dass die gleichzeitige Einnahme von Mitteln gegen Tuberkulose den Spiegel von Cyclosporin so weit senken kann, dass das Organ abgestoßen wird. Offenbar werden durch Nahrungsmittel, insbesondere durch Grapefruit, Pampelmusen, aber auch durch Äpfel und Apfelsinen viel mehr Medikamente in ihrer Aufnahme beeinflusst als bisher angenommen. Auf der Tagung der American Chemical Society (der amerikanischen Gesellschaft für Chemie) wurde dazu eine Studie vorgestellt. Forscher der Western Ontario-Universität berichteten, dass von Fexofenadin (ein Mittel gegen Allergien, in Deutschland unter dem Namen Telfast zu bekommen) mit Grapefruitsaft nur halb so viel Substanz aufgenommen wurde wie ohne den Saft. Aber auch ein Mittel gegen Darmkrebs – Etoposid – sowie mehrere Antibiotika und Betablocker – blutdrucksenkende Substanzen – zeigten den gleichen Effekt. Es wird von einem Todesfall berichtet, der durch die sehr starke Erhöhung einer Medikamentenkonzentration im Blut eintrat. Die Person hatte ein Mittel gegen Allergien mit Saft eingenommen. Eine Veränderung der Aufnahme ist inzwischen auch bei Arzneien wie Antibabypille, Schmerztabletten, Mitteln gegen Depression und vielen anderen bekannt. In der Pampelmuse gibt es einen Stoff namens Nargenin, der den Transport vom Darm in das Blut beeinflusst. Er wirkt aber auch auf den Abbaumechanismus der Arzneimittel in der Leber. Es gibt noch viele andere Nahrungsmittel, die die Aufnahme von Medikamenten entweder fördern oder bremsen, zum Beispiel Milch, Tee, Rotwein, Knoblauch, Kresse und Brokkoli. Aber auch eine fettreiche Mahlzeit kann sich erheblich auf die Medikamentenaufnahme auswirken. So konnte man feststellen, dass nach einem fettreichen Frühstück die Resorption (Aufnahme) von Rapamycin, einem wichtigen Mittel gegen Organabstossungen, erheblich beschleunigt und der Wirkspiegel im Blut gleichzeitig deutlich niedriger war. Arzneimittel können ähnlich wirken. Die Aufnahme einer Antibabypille ist bei gleichzeitiger Einnahme von Antibiotika oft niedriger (zu niedrig!) als bei alleiniger Einnahme. Medikamente sollten, wenn vom Arzt nicht anders empfohlen, nur mit Leitungswasser und nicht gleichzeitig mit anderen Arzneien eingenommen werden. Muss ein Patient, was im Alter häufig vorkommt, viele verschiedene Wirkstoffe pro Tag zu sich nehmen, sollte er mit seinem behandelnden Arzt abklären, welche Kombination harmlos ist. Oder er sollte im Beipackzettel nachsehen, welche Kombinationen ungünstig sind. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
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Quelle: Süddeutsche Zeitung, 20.08.08 Website der American Chemical Society, http://portal.acs.org/ www.uptodate.com Lüllmann, Mohr: Pharmakologie und Toxikologie Rote Liste 2006 | ||
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