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| Grippe-Impfung | |||||||||||||||||||||||||||
| (erstellt am: 19.12.2008 - letzte Änderung:09.01.2009 - aufgerufen: 2618 Mal) | |||||||||||||||||||||||||||
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Das Problem / Der Erreger: Die *Grippe oder *Influenza wird durch Viren verursacht. Viren sind Erreger, die wesentlich kleiner sind als Bakterien und die zum Leben, zur Fortpflanzung einen Wirt brauchen. Sie gelangen in dessen Organzellen und funktionieren den Stoffwechsel der Zelle so um, dass sie Viren produziert. So zum Beispiel bei der HIV-Infektion, bei der Gürtelrose, bei der Virushepatitis oder bei der Masernerkrankung. Typen und Ausbreitung: Es gibt drei verschieden Stämme von Influenzaviren: A, B und C. Das Virus läßt Menschen erkranken; es wird hauptsächlich mit Tröpfchen übertragen, das heißt durch Husten oder Niesen, weniger auch durch Sprechen. Eine Kontaktinfektion ist möglich, besonders über die Hände. Eine Ansteckung ist schon 3 bis 5 Tage vor Auftreten der Symptome möglich. Auch in Tieren ist das Virus nachweisbar: in Schweinen und Pferden, hauptsächlich aber in Vögeln. Die Erreger kommen weltweit vor und verursachen meisten eine *endemische Erkrankung, überwiegend in den Wintermonaten kommt es zu einem gehäuften Befall. Da die Südhalbkugel vor uns betroffen ist, kann man gegen die dort gefundenen Viren noch rechtzeitig einen Impfstoff entwickeln. Vorbeugung: Eine Impfung ist besonders für alte und chronisch kranke Menschen sehr wichtig, weil diese wegen verminderter Abwehrkraft an der Infektion sterben können. Das Virus schwächt das *Immunsystem zusätzlich, es entwickelt sich dann oft eine aufgepfropfte Infektion mit Bakterien. Eine Besonderheit der Viren ist es, dass sie jedes Jahr in einer neuen Verkleidung erscheinen, sodass sich eine länger dauernde volle Immunität nicht entwickeln kann. Es muss also jedes Jahr neu geimpft werden. Ausbreitung: Selten kommt es zu einer Pandemie, einer weltweiten Ausbreitung der Infektion, wie zum Beispiel 1918, damals starben ca. 40 Millionen Menschen. Kleinere Pandemien gab es 1957 mit 1,5 Mio. und 1968 mit etwa 1 Mio. Todesopfern. Eine solche massive Ausbreitung erfolgt, wenn die Viren ihre Oberflächenstruktur so radikal geändert haben, dass die meistens Menschen dagegen keinen Schutz entwickeln konnten. 1918 waren in Europa die Menschen nach vier Jahren Krieg und Unterernährung ohnehin sehr abwehrschwach. Symptome: Die Symptomatik ähnelt der bei einem *grippalen Infekt: Temperaturerhöhung bis 38,5 Grad und mehr, plötzlicher Beginn, Reizhusten, Muskel- und Kopfschmerzen, Schwäche, Schwitzen, Halsschmerzen. Selten: Lungenentzündung (meistens als „Überinfektion“ durch Bakterien), rascher Tod, Herzmuskelentzündung, Hirnentzündung. Komplikationen treten eher bei älteren und geschwächten Personen auf. Diagnostik: Die Diagnose wird *klinisch gestellt. Nur in seltenen Fällen, bei ungewöhnlicher Krankheitshäufung, bei schweren Verläufen oder bei Komplikationen kann man eine Virusbestimmung durchführen lassen. Diese muss schnell erfolgen, weil eine Therapie nur im Frühstadium wirksam ist. Therapie: Die Behandlung erfolgt symptomatisch: Medikamente gegen Fieber und Schmerzen, Bettruhe, leichte, vitaminreiche Kost, viel Flüssigkeit. Bei zusätzlicher Infektion mit Bakterien sind Antibiotika notwendig. Bei Kindern mit Virusinfekten keine Salizylate geben, zum Beispiel Aspirin/ ASS. Es können schwere Komplikationen auftreten wie *Enzephalopathie. Seit einigen Jahren gibt es zwei Medikamente, die die Krankheit verkürzen und abschwächen können. Komplikationen treten unter dieser Behandlung seltener auf. Amantadin (Amantadin®) ist nur gegen Viren des Typs A wirksam, diese werden leider sehr schnell gegen die Substanz resistent. Außerdem treten häufig Nebenwirkungen auf. Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®) sind wirksam gegen Influenza A und B, eine Resistenz entsteht seltener. Die Impfung: Die Empfehlung hat sich nicht geändert: alle Personen ab 60 und alle Menschen mit einem vorbestehenden Grundleiden wie chronische *Atemwegserkrankungen, Herz- und Kreislaufkrankheiten, *Niereninsuffizienz oder *Diabetes sollen sich rechtzeitig gegen *Influenza impfen lassen. Die *WHO empfiehlt, die Impfquote bei dem o. g. Personenkreis bis zum Jahre 2010 auf 75% zu erhöhen. Zur Zeit haben wir eine Impfquote von 50%, wir liegen damit nicht an der Spitze, in Spanien und Großbritannien wird mehr geimpft. In Deutschland hat das *RKI für die Grippezeiten von 2001 bis 2007 untersucht, wie viele Menschen, bedingt durch eine Grippeinfektion, mehr sterben als in Zeiten ohne Influenza. Je nach Saison schwanken diese Zahlen sehr stark. Für diese Jahre wird eine *„Übersterblichkeit“ von 20.000 bis 30.000 Personen angenommen. Hätte man die Impfquote von 75% schon erreicht gehabt, wären vermutlich 1.800 bis 2.800 Menschen weniger gestorben. Wie kommt es, dass auch bei der geforderten hohen Impfrate noch immer sehr viele Menschen (die Zahl liegt bei 17.000 bis 21.000) an der Influenzainfektion sterben würden? Die Impfantwort ist, besonders bei älteren Menschen, unvollkommen oder nicht vorhanden, damit fehlt ein Impfschutz. Man nimmt an, dass durch Verbesserung des Impfstoffes ein besserer Schutz erreicht werden kann. Vorerst soll eine bessere Aufklärung die Impfquote erhöhen. Aber nicht nur Laien müssen über die Impfvorteile aufgeklärt werden, auch die Fachwelt hat einen Nachholbedarf. Das *RKI hat eine Arbeitsgemeinschaft Influenza gegründet, die durch ihre Tätigkeit die Zahl der Impfungen verzehnfacht hat. Insbesondere wurden die 53.000 impfenden Ärzte informiert und mit Flyern/ Plakaten versorgt. Zwei Drittel aller Hausärzte erinnern ihre älteren und chronisch kranken Patienten an die Grippeimpfung. Inzwischen sind manche Kassen dazu übergegangen, eine höhere Impfquote zu honorieren. In anderen Ländern hat man damit gute Erfahrungen gemacht. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) Glossar
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Quelle: Robert Koch- Institut Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 105, Heft 47, November 2008 | |||||||||||||||||||||||||||
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