Hämoglobin
(erstellt am: 02.03.2007 - letzte Änderung:03.05.2007 - aufgerufen: 1149 Mal)
Zusammenfassung: Beschreibung der Struktur, Entstehung, Wirkungsweise, des Mangels und des Abbaus von Hämoglobin.

Hämoglobin (kurz H., griechisch: haima: das Blut, lateinisch: Globulin: das Kügelchen, wegen der kugelförmigen Gestalt die Bezeichnung für die menschlichen Bluteiweiße). Der in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) enthaltene Blutfarbstoff mit der Fähigkeit, Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2) zu binden. H. besteht aus einem Eiweißanteil und dem rotfärbenden Häm, einer chemische Ringstruktur mit einem Eisenmolekül darin, davon gibt es im Hämoglobin 4 Stück. Die Sauerstoffbindung erfolgt am Eisen.

Man findet 12 bis 18 Gramm H. in 100 ml (Kubikzentimetern) Blut. Der Anteil der roten Blutkörperchen liegt bei 36 bis 50% des Blutvolumens. Männer haben mehr H. und rote Blutkörperchen als Frauen. Die Regulation erfolgt durch die Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut. Dauernder Aufenthalt im Hochgebirge mit geringerem Sauerstoffanteil in der Atemluft führt zu höheren Hämoglobinwerten. Deshalb erfolgt das Training von Sportlern vor Wettkämpfen in den Bergen.

H. ist bei allen Wirbeltieren vorhanden, Wirbellose. z.B. Krebse, haben ähnliche Einweißmoleküle, allerdings nicht mit Eisen, sondern mit Kupfer (blaues Blut). Bildungsort von H. ist das Knochenmark der platten Knochen (Schulterblatt, Rippen, Brustbein, Becken). Für den Aufbau benötigt der Körper Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Folsäure und Vitamin C.

Der Abbau erfolgt hauptsächlich in Milz und Leber, der Rest ist sichtbar im grünen Gallenfarbstoff und im braunen Farbstoff, der den Stuhl färbt. Das H. wird durch die rechte Herzkammer in die Lungenkapillaren befördert, bindet hier den Sauerstoff der Luft und gibt gleichzeitig das Kohlendioxid ab. Die linke Herzkammer pumpt das Blut zu den Körperorganen, wo der Sauerstoff wieder abgegeben und das aus der Energieerzeugung stammende Kohlendioxid aufgenommen wird.
Verliert ein Mensch bei einer Verletzung zu viele rote Blutkörperchen und damit Hämoglobin, droht eine Sauerstoffmangelversorgung der Organe. Er braucht deshalb eine Übertragung mit Blut seiner Blutgruppe. Da Konserven chronisch knapp sind, gibt es seit Jahrzehnten Bemühungen, künstliches Blut herzustellen. Ein Erfolg steht bisher aus.

Einen chronischen Mangel an H. (Anämie = Blutarmut) kann der Körper recht gut kompensieren. Das Herz muss dann die roten Blutkörperchen häufiger auf die Reise durch den Körper schicken, um den Sauerstoffmangel auszugleichen. Hauptursachen sind: chronischer Eisenmangel und Blutverlust, Unterernährung, Vitaminmangel, chronische Entzündungen oder Immunprozesse, Krebserkrankungen und Nierenschwäche.

Literatur:
  1. Silbernagl, Despopoulos: Taschenatlas der Physiologie
  2. Bundschuh, Schneeweiss, Bräuer: Lexikon der Immunologie
  3. Duden: Deutsches Universalwörterbuch


Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

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