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| Welcher Hämoglobinwert ist richtig? | |||||||||||||
| (erstellt am: 10.03.2010 - letzte Änderung:11.03.2010 - aufgerufen: 11149 Mal) | |||||||||||||
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Welcher Hämoglobinwert ist richtig oder wie viel Blut braucht der Mensch? Sauerstoff, rote Blutkörperchen und Hämoglobin Fast alle lebenden Organismen, alle Organe, Zellen und Gewebe brauchen Sauerstoff zum Leben. Dieser ist Bestandteil der Atmosphäre und gelangt mit der Atemluft in die Lunge. In den Lungenbläschen kommt das Gas in Kontakt mit dem Blut und wird hier an das Hämoglobin (Abkürzung Hb) gebunden. Das ist der rote Blutfarbstoff, der sich in den roten Blutkörperchen befindet. Diese gehen, befördert vom Herzen, durch die Schlagadern auf die Reise zu den Organen und Geweben. Hier wiederum gibt das Hämoglobin den Sauerstoff ab und wird mit Kohlendioxid (CO2, das „Klimagas“) beladen, welches dann über die Lunge in die Atmosphäre gelangt. Ursachen einer Blutarmut Es gibt Krankheiten, die eine Verminderung der roten Blutkörperchen oder des Hämoglobins bewirken (man spricht von „Anämie“). Eine einfache Ursache wäre ein akuter oder chronischer Blutverlust. Oft steckt ein Eisenmangel dahinter, ohne Eisen kann kein Hämoglobin gebildet werden. Auch die Versorgung mit Vitaminen ist wichtig, besonders mit Vitamin B12. Chronische Entzündungen gehen fast immer mit einer Blutarmut einher. Eine schwere Verminderung der roten Blutkörperchen sehen wir beim chronischen Nierenversagen (renale Anämie), dabei kann die Zahl der roten Blutkörperchen auf weniger als die Hälfte sinken. Bei diesen Patienten fehlt ein Hormon, welches in der Niere gebildet wird und die Blutbildung anregt: das Erythropoietin (oder auch: Epo genannt). Normalwerte für Hämatokrit (zeigt die Menge der Zellbestandteile im Blut an) und Hämoglobin:
Auswirkungen der chronischen Blutarmut Der Mensch kann mit einer schweren chronischen Anämie leben, weil er Ausgleichmechanismen hat. Die auf die Hälfte verminderten Blutkörperchen müssen eben doppelt so schnell den Sauerstoff von der Lunge zu den Organen bringen. Das bedeutet aber, dass das Herz doppelt so viel arbeiten muss wie bei der normalen Blutmenge. Wie beim Bodybuilding wird der Herzmuskel dadurch größer und dicker, gleichzeitig vermehrt sich auch das Bindegewebe im Herzen. Dadurch wird es steifer und unbeweglicher, zudem verschlechtert sich auch die Blutversorgung. Das Befinden und insbesondere die Leistungsfähigkeit der Betroffenen leidet erheblich. Sie klagen über Müdigkeit, schnelle Erschöpfung und Leistungsminderung. Die Wende Im Jahr 1985 gelang es, nach langen Jahren mühsamer Forschung, Erythropoietin in größeren Mengen herzustellen. Seitdem gibt es bei Patienten mit chronischem Nierenversagen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine schwerwiegende chronische Blutarmut mehr. Das Problem In der folgenden Zeit versuchte man herauszufinden, welcher Hämoglobinwert für Menschen an der künstlichen Niere der Beste sei. Es gab Berichte über vermehrtes Auftreten von Thrombosen und Verschlüssen in arterio-venösen Fisteln und es wurden Studien mit einer erhöhten Rate an Schlaganfällen und Herzinfarkten zitiert. Die Studienergebnisse Zudem gab es Studien mit unterschiedlichen und zum Teil widersprüchlichen Ergebnissen. Eine Untersuchung an mehreren Tausend Dialysepatienten (DOPPS) zeigt folgende Ergebnisse:
Auffällig ist auch, dass Patienten, die über einen Katheter dialysiert werden, schlechtere Hb-Werte haben. Das kann an der höheren Infektionsrate liegen und/ oder daran, dass die Dialyse über Katheter nicht so wirksam ist. Ebenfalls sehr wichtig ist eine ausreichende Versorgung mit Eisen. Zentren, die ihre Patienten intravenös mit Eisen versorgen, zeigen höhere Hb-Werte. Auch ein Vitaminmangel (Vitamin B12, Vitamin C) kann eine Blutarmut verursachen. Empfehlung Alle wichtigen Kommissionen aus den USA, aus Kanada, aus Japan und aus Europa, die sich mit Problemen der Niereninsuffizienz und der chronischen Dialyse befassen, geben folgende Empfehlungen: Sowohl für Patienten mit chronischem Nierenversagen, die noch nicht an der Dialyse sind als auch für diejenigen mit einer Nierenersatztherapie (Hämodialyse und Bauchfelldialyse) werden Hämatokritwerte von 33 bis 36 Prozent oder Hämoglobinwerte von 11 bis 12 g/l empfohlen. Eine Obergrenze von 13 g/l soll nicht überschritten werden. Eine Ausnahme macht die europäische Expertenkommission, die die obere Grenze bis zu einem Wert von 14 g/l offenlässt und eine individuelle Anpassung empfiehlt. Wahrscheinlich kann ein „gesunder“ Dialysepatient von 20 Jahren einen höheren Hämoglobinwert vertragen als ein Sechzigjähriger mit Gefäßverkalkung und Herzproblemen. Eine präzise Einstellung auf einen bestimmten Wert ist aber wegen der Blutverdünnung durch Wasseraufnahme vor der Dialyse und eine Blutkonzentration durch Wasserentzug während der Dialyse schwierig. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | |||||||||||||
| Quelle: DOPPS (Dialysis Outcome and Practice Patterns Study), Uptodate | |||||||||||||
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