Hepatitis-B Infektion
(erstellt am: 17.03.2007 - letzte Änderung:22.02.2008 - aufgerufen: 1201 Mal)
Eine aktuelle Meldung: Gute Nachricht für Menschen mit Hepatitis-B-Infektion

Im Deutschen Ärzteblatt vom 26. Januar 2007 wurde über eine Studie aus Berlin berichtet. Ärzte an der Charité haben 20 Patienten, die an einer chronischen Leberentzündung, der Hepatitis-B leiden, mit einem neuen Medikament behandelt. Bei ihnen war im Laufe einer Behandlung mit Lamivudin, einem üblichen Mittel gegen diese Form der Hepatitis, eine Resistenz aufgetreten. Eine Resistenz ist eine Unempfindlichkeit gegenüber dem eingesetzten Virustatikum (ein Virustatikum hemmt die Virusvermehrung). Die Autoren unternahmen einen Versuch mit Tenofovir, welches normalerweise gegen HIV-Infektionen wirksam ist. Bei fast allen Patienten lagen nach einer Behandlungsdauer von dreieinhalb Monaten die Virusspiegel im Blut unter der Nachweisbarkeitsgrenze. Bei 14 von den 19 Teilnehmern an der Studie waren vor Behandlungsbeginn die Leberwerte krankhaft erhöht, bei 10 von ihnen normalisierten sich die Werte.

In einer zweiten Studie wurde über 286 Patienten berichtet, bei denen eine Behandlung mit Lamivudin über 52 Wochen erfolglos war. Die eine Hälfte dieser Gruppe erhielt für weitere 52 Wochen Lamivudin, die andere wurde mit Entecavir behandelt. Dieses Medikament ist seit Mitte 2006 in Deutschland unter dem Namen Baraclude zur Behandlung der Hepatitis B zugelassen. Unter Entecavir/ Baraclude war bei 55 Prozent in der feingeweblichen Untersuchung der Leber eine Besserung erkennbar, bei den anderen Patienten nur bei 28 Prozent. Bei 19 % der Entecavir-Gruppe waren die Viren nicht mehr nachweisbar, in der Lamivudin-Gruppe bei nur 1 %.

Kommentar
Bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen mit Antibiotika ist seit langem eine Resistenzentwicklung bekannt. Diese tritt besonders dann auf, wenn Antibiotika sehr häufig oder zu häufig und unnötig eingesetzt werden. Oder wenn sie, was jetzt verboten ist, in der Tiermast als Wachstumsförderer Verwendung finden. Inzwischen gibt es Bakterien, die nur noch mit einigen wenigen oder mit keinem Antibiotikum mehr behandelt werden können wie zum Beispiel bestimmte Staphylokokken oder Enterokokken. Seitdem Substanzen zur Behandlung von Virusinfektionen verfügbar sind, so genannte Virustatika, ist bei der Behandlung von Virusinfektionen eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Insbesondere die chronischen Infektionen sind hier betroffen: Hepatitis-B, Hepatitis-C, HIV-Infektion, Herpesinfektionen. Es gibt nicht viele Mittel gegen Viren. Deshalb ist man gezwungen, Medikamente, die bei einer bestimmten Infektion helfen, versuchsweise auch bei anderen Infektionen einzusetzen (s. oben). Wenn man eine solche Therapie außerhalb von Studien anwenden muss oder möchte, soll man sich vorher vergewissern, ob die Krankenkasse die zum Teil sehr hohen Kosten übernimmt (so genannter „off label-use"). So kosten 30 Tenofovir-Tbl., Handelsname Viread, 466 €, Rote Liste, Stand 2006.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Quelle: Deutsches Ärzteblatt vom 27.01.2007

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