High-Tech-Medizin
(erstellt am: 24.05.2007 - letzte Änderung:02.07.2007 - aufgerufen: 678 Mal)
Training oder High Tech-Medizin?

Die Menschen der westlichen Welt leiden und sterben überwiegend an Herz-und Kreislauferkrankungen sowie an unterschiedlichen Krebskrankheiten.Unter den erstgenannten versteht man Durchblutungsstörungen insbesondere des Herzens (sog. Herzinfarkt) und des Gehirns (Apoplex oder Schlaganfall), aber auch die kritische Mangeldurchblutung der Beine (sog. Schaufensterkrankheit), die im Extremfall zur Amputation führen kann.

Grundlage dieser Organschädigungen ist eine Verengung oder der Verschluß von organversorgenden Gefäßen (Schlagadern), die sog. Arterienverkalkung. Deren Ursache sieht man in Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), zu hohen Blutfetten, Hochdruck, Übergewicht und Bewegungsmangel. Krankheiten, die in der westlichen Welt weit verbreitet sind, aber auch in den Entwicklungsländern erheblich zunehmen. Einen sehr wesentlichen Anteil an der Entstehung von Gefäßkrankheiten hat das Rauchen.

Es gibt inzwischen recht gute Behandlungsmöglichkeiten, um Gefäßverengungen oder auch –verschlüsse zu behandeln: z.B. Bypassoperationen oder die Ballondilatation, bei der mit einem weichen Kunststoffkatheter ein aufblasbarer Ballon bis in das verengte Gefäß vorgeschoben wird. Durch Auffüllen des Ballons mit Flüssigkeit wird die Verengung regelrecht gesprengt. Leider kommt es an dieser Stelle, bedingt durch Narbenbildung, häufig zu einer erneuten Verengung der Schlagader.

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, wurden stabile Drahtgeflechte (Stents) entwickelt, die bis in die verengte Stelle vorgeschoben werden und diese über einen langen Zeitraum offen halten.

Natürlich wäre es sehr vernünftig, gleichzeitig, soweit möglich, die schädigende Ursache auszuschalten, also die Zuckerkrankheit gut einzustellen oder, wenn es sich um einen Diabetes Typ 2 handelt, der durch Übergewicht ausgelöst wird, das Gewicht zu reduzieren. Ein Bluthochdruck muß in jedem Lebensalter sehr konsequent normalisiert werden, es gibt keinen natürlichen Altershochdruck! Zu hohe Blutfette lassen sich ebenfalls durch Normalisierung des Körpergewichtes positiv beeinflussen, wenn das nicht ausreicht, gibt es gut verträgliche fettsenkende Substanzen, sog. Cholesterinsynthesehemmer. Ein Verzicht auf das Rauchen ist unbedingt notwendig. Inzwischen hat man erkannt, dass eine Lebensstiländerung zur Vorbeugung und Behandlung von Gefäßkrankheiten den medizinischen Maßnahmen (Medikamente und technisch-operative Maßnahmen) mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen ist. Da Studien, die die Wirkung einer Maßnahme oder Therapie prüfen sollen, fast ausschließlich von pharmazeutischen Firmen finanziert werden, gibt es es wenige wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit den Auswirkungen einer Lebensstiländerung befassen.

An der Universität Leipzig wurden Männer mit Verengungen an den Herzkranzgefässen entweder mit einer Ballondilatation und einem Stent (Drahtgeflecht) behandelt oder einer Trainingsgruppe zugeordnet (tgl. Training von 20 Minuten zu Hause plus Gruppentraining von 1 Stunde pro Woche). Nach einem Jahr war in der Trainingsgruppe die Leistungsfähigkeit um 20 Prozent gestiegen, in der mit Ballonerweiterung behandelten Gruppe blieb sie gleich. Ein Fortschreiten der Erkrankung war bei den Trainierten bei 32%, bei den mit Stent behandelten Männern bei 45% festzustellen. Bei den Trainingspatienten kam es sechsmal zu einem "Herzereignis" wie Krankenhausaufnahme, Notwendigkeit einer Bypassoperation, Herzinfarkt und schwere Angina (bedrohliche Herzschmerzen), solche Ereignisse traten bei den mit Ballon behandelten Teilnehmern einundzwanzigmal auf. Diese Studie zeigt, dass durch eine Intervention z.B. mit einem Ballonkatheter zwar ein Schaden für eine gewisse Zeit repariert wird, dass aber die Krankheit "Gefäßverkalkung" nicht behandelt wird.

Bedenkt man, dass ähnliche Erfolge mit einer sogenannten Mittelmeerdiät zu erzielen sind, Ernährung mit viel Obst und Gemüse, Olivenöl statt tierischer Fette, mehr Fisch als Fleisch und Fleischprodukte, müsste eigentlich die Rate der Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen (41% bei Männern, 52% bei Frauen deutlich vermindert werden können.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)
Quellen: A. Wirth, Deutsches Ärzteblatt, Jg. 101, Heft 24
R.C. Hambrecht, zitiert in CardioVasc 2004, 5
H. Löllgen, Dtsch. Med. Wochenschr. 2004; 129. Nr. 19

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