Knochen, Calcium und Vitamin D
(erstellt am: 17.07.2008 - letzte Änderung:22.07.2008 - aufgerufen: 639 Mal)
Es gibt neue Nachrichten zum Dauerthema Knochen und Osteoporose. Die Menschen werden immer älter, was auch ihren Knochen Probleme macht. Zur Erinnerung: der Knochen braucht, um „groß und stark“ zu werden: Calcium und Phosphat (zum Beispiel aus Milch und Milchprodukten, Grünkohl, Spinat, Sojabohnen, aber jedenfalls nicht aus Softdrinks), genügend Eiweiß, Vitamin D (entweder aus Eigenproduktion unter Einfluss von UV-Strahlung oder aus der Nahrung) und Bewegung, besonders in jungen Jahren, denn die zu dieser Zeit angelegten Knochen müssen bis ins hohe und höchste Alter halten.

Seit Jahren bewegt die Fachleute die Frage, wie man der im hohen Alter auftretenden Osteoporose wirksam vorbeugen kann, also: Dem Abbau des Knochens mit der Gefahr von Brüchen. Zur Klärung wurde jetzt eine Metaanalyse vorgelegt. Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung aller Studien, die zu einer bestimmten Fragestellung etwa gleiche Untersuchungsbedingungen aufweisen. Man vergrößert so die Zahl der untersuchten Teilnehmer und kommt zu besser gesicherten statistischen Aussagen. Die Analyse erschien 2007 in der renommierten englischen Fachzeitschrift Lancet.

Die Fragestellung war: Führt die Behandlung mit Calcium und Vitamin D bei über 50-Jährigen zu einer Beeinflussung der Knochendichte? Ausgewertet wurden 29 Studien mit insgesamt 63.897 Teilnehmern, davon waren 92% Frauen mit einem durchschnittlichen Alter von 67,8 Jahren. Etwa in der Hälfte der Untersuchungen wurde eine Kombination aus Calcium und Vitamin D gegeben, in der anderen Hälfte erhielten die Patienten lediglich Calcium. Das Ergebnis war, dass sowohl das Bruchrisiko als auch der Knochenmasseverlust gesenkt wurden, und zwar signifikant – das heißt in deutlicher Weise, stärker als zufällig möglich gewesen wäre. Die Verfasser der Untersuchung kommen zu dem Schluss, dass bei Menschen über 50 Jahre das Bruchrisiko durch Einnahme von Calcium oder einer Kombination von Calcium und Vitamin D gesenkt werden kann.

Bei jeder statistischen Untersuchung einer Therapieform, egal ob Operation oder Medikament, gibt es eine wichtige Zahl, die anzeigt, wie effektiv die Behandlung ist: das ist die NNT (number needed to treat), also die Zahl der Patienten, die man behandeln muss, damit einem geholfen werden kann. Diese beträgt hier 221, das heißt, dass 221 Menschen ein Jahr lang Vitamin D und Calcium oder Calcium allein einnehmen müssen, damit eine Fraktur verhindert wird.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit unzureichender Ernährung und zu wenig Bewegung, Menschen in Heimen, in denen nicht genügend Personal vorhanden ist, um diese grundlegenden Bedürfnisse ausreichend zu befriedigen. Gefährdet sind aber auch Personen, die allein zu Hause leben und sich nicht gut ernähren oder ernähren können. Diese sind häufig aufgrund ihrer körperlichen Schwäche oder weil sich niemand um sie kümmert, zu wenig auf den Beinen. So bekommen sie, um Vitamin D zu bilden, nicht genügend Sonne.
Die Gabe von Calcium und Vitamin D in Form von Tabletten ist oft keine Lösung. Eigentlich wäre eine liebevolle und umfassende Fürsorge erforderlich.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 105, Heft 27, 4. Juli 2008
Lancet, 2007 August 25; 370(9588):657-66
UpToDate (www.uptodate.com)
Wegweiser Lebensmittel, Peter Hoffmann
Der Brockhaus Multimedial

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