Krankenversorgung
(erstellt am: 23.08.2007 - letzte Änderung:24.08.2007 - aufgerufen: 868 Mal)
Wird Sparen in der Krankenversorgung zum Risiko?

Im Deutschen Ärzteblatt vom 17. August 2007 wird anlässlich eines Berichtes des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (dip) erörtert, ob in den letzten Jahren die Pflegequalität an deutschen Krankenhäusern abgenommen hat und wie die Aussichten für die Zukunft sind.

Das Institut führte eine Studie durch, in der leitende Pflegekräfte zur Pflegesituation in ihren Häusern befragt wurden („Pflegethermometer 2007“). Laut Statistischem Bundesamt sind in den Jahren 1995 bis 2005 48.000 Vollzeitpflegekräfte im akutstationären Bereich weggefallen. Gleichzeitig wurden 80.000 Betten gestrichen, aber die Fallzahlen sind gestiegen und die Verweildauer sank auf durchschnittlich 8,6 Tage.

Die sogenannte Belastungszahl des Pflegedienstes nach Fällen stieg um 23%. Dadurch sei nicht nur die Pflegequalität schlechter geworden, sondern auch die Sicherheit der Patienten gefährdet, so die Ergebnisse der Studie der dip, die an 263 Krankenhäusern durchgeführt wurde.

Das zurzeit tätige Pflegepersonal ist anscheinend nicht mehr in der Lage, die Versorgung der Kranken mit Lagerung, Überwachung, Schmerzmitteln, Nahrung und Mobilisierung sicherzustellen. Bei einem Drittel der Befragten war zu hören, dass eine angemessene Ernährung durch falsches (zu schnelles) Tempo bei der Nahrungsverabreichung nicht gewährleistet sei.

Der Aufwand für Dokumentation, Koordination und Verwaltung ist gestiegen, die Patienten sind aber älter und kranker als früher. Gleichzeitig wird auch gefordert, dass Pflegende sich weiter spezialisieren und ärztliche Aufgaben übernehmen sollen. Zum Beispiel könnten speziell geschulte Pflegekräfte selbstständig Narkosen oder kleine chirurgische Eingriffe durchführen. Man rechnet mit der Einführung neuer ärztlicher Assistenzberufe: chirurgisch-technische oder Operationsassistenten. Diese gibt es schon seit Jahren in den USA, in den Niederlanden, in Großbritannien und in Skandinavien.

Im Jahr 2006 wurden durch Überstunden 5.000 Vollzeitstellen ausgeglichen. Ein Drittel der Befragten war der Meinung, dass die Bedingungen für eine ausreichende Pflege in den letzten beiden Jahren schlechter geworden seien.

Auch in anderen Studien wird auf eine verstärkte Gefährdung der Patienten durch mangelnde Pflegeversorgung hingewiesen: erhöhte Sterblichkeit durch verspätete Hilfe im Notfall, Komplikationen durch Stürze, Medikamentenfehler und Durchliegegeschwüre. Es ist zu erwarten, da der Kostendruck auf die Krankenhäuser weiter besteht, dass weitere Stellen abgebaut werden. Das meint etwa die Hälfte der Befragten. Gleichzeitig steigen durch die Einführung weiterer medizinischer Leistungen die Qualitätsanforderungen an die Pflegekräfte. Ebenfalls fast die Hälfte der Pflegedirektoren sieht für die nächsten Jahre einen Mehrbedarf für Pflegepersonal. Man wird also versuchen, die pflegerischen Aufgaben an Hilfskräfte zu delegieren. Dabei wird die Abgabe von Tätigkeiten wie Essensversorgung oder Medikamentenzusammenstellung nicht von allen Pflegedirektoren gutgeheißen, eine weitere Kontaktmöglichkeit zwischen Pflegenden und Patienten würde verloren gehen. Optimierung und Umstrukturierung im Pflegebereich sind weitgehend ausgeschöpft. Ein noch flexiblerer Einsatz des Personals stößt bei den Mitarbeitern auf Widerstand, benötigt einen hohen Schulungsaufwand und wird von vielen als nicht durchführbar oder ineffektiv angesehen.

Ein anderes Problem ist die Beschäftigung der älteren Mitarbeiter bis zum Erreichen des Rentenalters, da unter den jetzigen Bedingungen viele den gestiegenen Belastungen nicht gewachsen sind. Der Sprecher der DKG ( Deutsche Krankenhausgesellschaft) stellt fest:“Trotz sinkender Budgets und Einschränkungen beim Personal und der Bettenzahl bieten die deutschen Krankenhäuser einen erstklassigen Standard bei der Patientenversorgung.“ Die DKG hält aber ebenfalls eine weitere Reduzierung des Pflegepersonals für nicht akzeptabel. In Deutschland sichern 10,8 Mitarbeiter die Versorgung von 1.000 Einwohnern, in Österreich sind es 15,3. (Mitteilung OECD.Gesundheitsstatistik). Das Gesundheitsministerium sieht die Krankenhäuser in der Pflicht.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)
Quelle: Deutsches Ärzteblatt , Jg. 104, Heft 33, 17. August 2007-08-21
„dip“, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e.V.:
http://www.dip-home.de

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