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| Krebserkrankung und Sport | ||
| (erstellt am: 22.06.2010 - letzte Änderung:22.06.2010 - aufgerufen: 259 Mal) | ||
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Es gibt eine gemeinnützige internationale Organisation – World Cancer Research Fund - , die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, zu untersuchen, welchen Einfluss körperliche Bewegung, Nahrungszusammensetzung, Ernährung, Körpergewicht oder Infektionen auf die Entstehung von Krebserkrankungen beim Menschen haben. Zum Einfluss von Sport auf Krebsentstehung geben sie folgende Erklärung ab: Das Expertengremium kommt zu dem Ergebnis, dass regelmäßige körperliche Aktivität der Neubildung von bösartigen Tumoren vorbeugen kann. Speziell für Dickdarmkrebs und für hormonabhängig wachsende Tumoren der weiblichen Brustdrüse nach dem Ende der Regelblutung ist der schützende Effekt sehr offenkundig. Weiterhin sagen sie, dass Bewegung gegen Fettleibigkeit schützt und dass diese wiederum verbunden ist mit der Entstehung von Krebs des Dickdarms, der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse, der Nieren, der Gebärmutter und der weiblichen Brust nach den Wechseljahren. Sie schätzen weiterhin, dass ein Mangel an Bewegung jedes Jahr 2 Millionen Todesfälle verursacht. 17 Prozent der Erwachsenen weltweit haben zu wenig Bewegung. Den höchsten Prozentsatz fand man in den europäischen Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine niedrige Kinder- und eine hohe Erwachsenensterblichkeit aufweisen wie zum Beispiel Ungarn, Lettland, die Russische Föderation und die Ukraine. Sie vermuten, dass weltweit ca. die Hälfte der Menschen sich zu wenig bewegt, das heißt weniger als 2,5 Stunden/ Woche. Mit zunehmendem Alter nimmt körperliche Aktivität ab, bei Frauen und Mädchen ist diese Tendenz stärker ausgeprägt als bei Männern. Forscher vom DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg) sind der Meinung, dass Sport auch vor dem erneuten Auftreten einer Krebserkrankung schützt. Das ist besonders deshalb von Bedeutung, weil die Überlebenszeit nach einer Krebserkrankung in den letzten Jahrzehnten ständig zugenommen hat, sodass man Krebs jetzt oft als eine chronische Erkrankung betrachten muss. Es gibt eine neue Studie aus Schweden. Es wurden 40 708 Männer im Alter 45 und 79 Jahren untersucht, Studienbeginn 1998. Bei denjenigen mit einer körperlichen Aktivität entsprechend einer Stunde schnellen Gehens pro Tag traten 16 % weniger Krebserkrankungen auf. Schon eine halbe Stunde Bewegung verminderte die Krebssterblichkeit um 30 %. Man beobachtet sogar eine „Dosisabhängigkeit“: je mehr Bewegung, desto weniger Krebserkrankungen. Mögliche Erklärungen: Die Verweilzeit der Nahrung im Darm und damit von krebserregenden Stoffen wird verkürzt. Körperfett wird vermindert, Beeinflussung von Hormonen im Darm, die einen Einfluss auf die Zellteilungsrate der Darmschleimhaut haben. Weniger Zucker und Insulin im Blut und damit weniger Wachstumsfaktoren, die Krebswachstum fördern können. Es gibt eine Untersuchung an 25 624 Frauen zwischen 24 und 54 Jahren, bei denen das Risiko, an einem Brustkrebs zu erkranken, je nach Intensität der sportlichen Betätigung um 23 bis 47 Prozent vermindert wurde. Eine ähnliche Risikominderung fand sich auch bei Frauen zwischen 50 und 74 Jahren. Bei körperlich Aktiven (2 Stunden Gehen und 1 Stunde Fahrradfahren am Tag) verringerte sich das Risiko um circa ein Drittel. Bezüglich der Ursachen gibt es noch keine klaren Erkenntnisse, da eine sportliche Betätigung sehr viele Vorgänge im Organismus beeinflusst: Regulation des Energiehaushaltes und des Körpergewichtes, Fettverteilung, antioxidative Vorgänge gegen die Entstehung einer Gefäßverkalkung, Verbesserung von Reparaturvorgängen an der Erbsubstanz der Körperzellen (DNA-Reparatur). Kraft- und Ausdauertraining hat auch Einfluss auf das seelische Befinden und das Immunsystem, die Blutbildung und das Allgemeinbefinden. Obwohl es schon Anfang der 80-er Jahre Sportgruppen für Tumorkranke gab, überwog lange Zeit die Angst, die körperliche Aktivität könne das Krebswachstum fördern. Auch heute noch wird Patienten die Empfehlung gegeben, sich zu schonen. Dabei ist zu bedenken, dass eine Krankengymnastik, wie sie heute schon häufig angeboten wird, nicht ausreicht, sondern ein Ausdauertraining angestrebt werden muss. Denn die empfohlene Schonung führt zu einer Rückbildung der Muskulatur und Schwächung des Herz-Kreislaufystems mit der Folge, dass die Betroffenen mit den Folgen der Krebserkrankung und Chemotherapie noch schlechter fertig werden. Es entwickelt sich ein Teufelskreis. Studien mit Patienten, die noch während des Klinikaufenthaltes wegen einer Chemotherapie im Bett mit einem Fahrradergometer trainiert wurden, zeigen ermutigende Ergebnisse. Auch die so genannte „Tumorkachexie“, eine massive Gewichtsabnahme mit Abbau auch der Muskulatur und rapidem Kräfteverfall, ließ sich mittels eines Krafttrainings günstig beeinflussen. In einer weiteren Studie wurden 2987 Frauen mit der Diagnose Brustkrebs 18 Jahre lang beobachtet. Bei einer Trainingsintensität von mehr als 3 Stunden wöchentlich lag die Verminderung des Krebsrisikos bei 50 Prozent. Das galt aber nur für Frauen mit Tumoren, die hormonrezeptorpositiv waren (bei diesen Tumoren tragen die Krebszellen auf ihrer Oberfläche Empfänger, an denen weibliche Geschlechtshormone – Östrogen und Progesteron – andocken können). Von der Deutschen Krebshilfe und vom Deutschen Olympischen Sportbund werden Kampagnen zu den Themen „Krebsvorbeugung durch Sport“ und „Sport in der Krebsbehandlung“ geplant. Jeder Krebspatient kann im Rahmen der Nachsorge 50 bis 120 Sporteinheiten auf Kosten der Krankenkasse erhalten. Diese Kosten liegen außerhalb des ärztlichen Budgets. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
| Quelle: World Cancer Research Fund, Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 106, Heft 10, 06. März 2010. | ||
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