Lanthancarbonat
(erstellt am: 24.05.2007 - letzte Änderung:24.05.2007 - aufgerufen: 1604 Mal)
Ein neuer Phosphatbinder:
Lanthancarbonat


Seit einigen Jahren wird ein neuer Phosphatbinder getestet. Brauchen wir eine neue Substanz? Schon lange rätseln die Nephrologen, warum chronisch niereninsuffiziente Patienten ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Arteriosklerose (\"Gefäßverkalkung\") mit Durchblutungsstörungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt haben. Man vermutete die \"üblichen Verdächtigen\" wie Zuckerkrankheit, Hochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen. Diese sind auch für Nierenkranke ungünstig, erklären aber nicht das Ausmaß der Gefäßveränderungen.

Inzwischen zeigen viele Untersuchungen sehr deutlich, dass Calcium und Phosphat einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung einer Gefäßverkalkung haben. Man kann erkennen, dass Patienten mit erhöhten Blutwerten von Calcium, Phosphat und Parathormon (Hormon der Nebenschilddrüse) häufiger Verkalkungen der Gefäßwand aufweisen als solche mit normalen Werten. Dabei kommt es nicht zu einer passiven Einlagerung von Calcium in die Schlagadern, sondern zu einer Umwandlung der Muskelzellen in der Adernwand zu knochenbildenden Zellen. Dieser Prozess wird durch einen bestimmten Eiweißstoff, das Fetuin, normalerweise verhindert. Da aber z.B. Dialysepatienten von diesem Stoff zu wenig haben, sind sie gegen Verkalkungen nicht gut geschützt.

Um so wichtiger ist es, die drei Risikofaktoren Calcium, Phosphat und Nebenschilddrüsenhormon im Normbereich zu halten. Der Phosphatwert wird durch Diät, Dialyse und Einnahme von Phosphatbindern reguliert. Die letzteren bestanden früher aus einem aluminiumhaltigen Salz. Es stellte sich aber heraus, dass Aluminium sowohl die Gehirnzellen als auch den Knochen massiv schädigen kann.

Als Alternative boten sich calciumhaltige Salze an, z.B. Calciumcarbonat und Calciumacetat. Diese sind ebenfalls sehr gute Phosphatbinder, führen aber zur Calciumaufnahme in den Körper, was bei Patienten mit niedrigen Calciumwerten durchaus erwünscht ist. Die meisten Patienten haben aber eher zu hohe Werte, insbesondere wenn gleichzeitig eine Nebenschilddrüsenüberfunktion vorliegt, die mit Vitamin D-Präparaten behandelt werden muss; beides führt zu hohen Calciumwerten. Eine Rettung aus diesem Dilemma bot die Entwicklung eines calciumfreien Phosphatbinders; die Substanz Sevelamer (Renagel®).

In einem direkten Vergleich an Patienten zwischen Sevelamer und Calciumcarbonat zeigte sich ein sehr deutlicher Unterschied in dem Ausmaß der Gefäßverkalkung zu Gunsten von Renagel. Gleichzeitig ist diese Substanz ein sehr guter Fettsenker. Der entscheidende Nachteil im Vergleich zu den herkömmlichen Phosphatbindern ist der sehr hohe Preis. Aus diesem Grund werden oft die calciumhaltigen Phosphatbinder mit Sevelamer (Renagel®) kombiniert.

Jetzt gibt es als neuen calciumfreien Phosphatbinder Lanthancarbonat. Lanthan ist ein silberweiß glänzendes Metall und wird in der Industrie zu verschiedenen Zwecken verwendet (Legierungen, Glasuren, Glaszusätze usw.). Lanthan hat eine hohe Bindungsfähigkeit für Phosphat; in Studien, die bis zu einer Dauer von 5 Jahren durchgeführt wurden, hat sich Lanthacarbonat als sehr effektiver, gut verträglicher Phosphatbinder erwiesen, der keine schweren Nebenwirkungen aufweist, Hauptnebenwirkungen waren Übelkeit und Erbrechen.

Die bislang benutzten Dosierungen lagen zwischen 1 und 3 Gramm / Tag. Nur ein sehr geringer Teil des Lanthan wird vom Darm aufgenommen und größtenteils über die Gallenflüssigkeit wieder ausgeschieden. Man kann Spuren von Lanthan im Knochen nachweisen, eine nachteilige Wirkung dieser Ablagerung ist bisher (über 5 Jahre Beobachtungszeit) im Knochen nicht nachzuweisen. In Schweden und den USA ist Lanthancarbonat bis jetzt zugelassen (Fosrenol®), das Zulassungsverfahren für weitere europäische Länder läuft, sodass es wahrscheinlich ab Juli 2005 bei uns erhältlich sein wird.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Nephro-Glossar
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