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| Lebendnierentransplantation | ||
| (erstellt am: 27.02.2007 - letzte Änderung:03.05.2007 - aufgerufen: 894 Mal) | ||
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Unter einer Lebendnierentransplantation versteht man die Transplantation einer Niere von einem Lebendspender. Die erste Transplantation einer von einem lebenden Menschen gespendeten Niere wurde 1954 in Boston zwischen eineiigen Zwillingen durchgeführt. Nach inzwischen 50 Jahren ist diese Art Transplantation aus dem Versuchsstadium heraus; heute ist sie die beste Behandlung eines endgültigen Nierenversagens. Die Zahl der Patienten mit Nierenversagen hat sich während der letzten 10 Jahre verdoppelt, besonders die Zahl der Älteren hat zugenommen. Nicht entsprechend zugenommen hat die Zahl der Transplantationen. Das ist von Bedeutung: Zwar können wir heute Patienten 20 oder 30 Jahre mit Dialyse behandeln, aber die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate auf der Warteliste nimmt mit der Zahl der Jahre zu. Zudem wird der Erfolg der Transplantation schlechter, je länger man warten muss. Die Zahl der Leichennierentransplantationen hat über die letzten Jahre nicht zugenommen. Bei etwa 40 Prozent der möglichen Nierenspender werden die Nieren nicht entnommen. Aus diesem Grund wächst die Zahl der Lebendspenden. Die Vorteile einer Lebendnierentransplantation Die Überlebenszeiten von Empfänger und Niere sind deutlich besser: Nach einer Lebendtransplantation funktioniert die Niere bei 50% der Betroffenen noch nach 21,6 Jahren, bei Nieren von Verstorbenen liegt die Zahl bei 13,8 Jahren. Eine Lebendnierenspende bietet die Möglichkeit, vor Beginn der Dialyse zu transplantieren. Dadurch ergibt sich ein weiterer deutlicher Vorteil: Die Rate der funktionierenden Transplantate liegt dann bei 78% nach zehn Jahren. Waren Patienten vor der Transplantation zwei Jahre an der Dialyse, liegt sie bei 48%. Auch bei nicht verwandten Spendern sind die Langzeitergebnisse sehr gut. Ein wesentlicher Grund für das bessere Abschneiden der Lebendspenden liegt auch darin, dass die Spender gesund sind. Im Gegensatz zu den Spendern von Leichennieren, die oft über mehrere Tage schwerstkrank sind, beatmet werden müssen und häufig sehr schlechte Kreislaufverhältnisse haben. Wo liegt das Risiko für die Spender? Immerhin unterziehen sie sich einer großen Operation, auch wenn man heute die Nieren schon in „Schlüssellochtechnik“ (minimal invasiv) herausnehmen kann. Das Risiko eines Spenders zu sterben liegt bei 0,03 Prozent. Die Zahl der Komplikationen während und nach der Operation liegt bei 0,2 Prozent. Leichtere Beschwerden wie zum Beispiel Schmerzen, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit oder schlechtes Allgemeinbefinden treten bei ca. 15 Prozent auf. Das Risiko, selbst dialysepflichtig zu werden, scheint nach den bislang vorliegenden Statistiken genauso groß zu sein wie für Nichtspender. Auf jeden Fall werden mögliche Spender sehr genau körperlich und psychisch untersucht. Auch die finanziellen Risiken müssen bedacht werden: Arbeitsunfähigkeit für mehrere Wochen, eventuell längere Erholungszeit bei Komplikationen. Obwohl in den USA inzwischen etwa 50% aller transplantierten Nieren von Lebendspendern stammen, in Deutschland sind es 15 bis 20%, übersteigt die Zahl der Empfänger auf den Wartelisten weiterhin die Zahl der Spender. Wie kann man das ändern? Man akzeptiert Nieren von nicht verwandten Spendern: von Ehepartnern, Lebenspartnern und Freunden (so genannte emotionale Spende, d.h., Spender und Empfänger sind gefühlsmäßig miteinander verbunden). Oder auch von Fremden als „altruistische Spende" (altruistisch ist das Gegenteil von egoistisch). Diese kann für eine bestimmte Person oder für irgendjemanden sein. In den USA können etwa 20 bis 30% aller Lebendspenden wegen Blutgruppenunverträglichkeit nicht realisiert werden. Beispiel: Ein Mann mit der Blutgruppe A möchte seiner Frau mit der Blutgruppe B eine Niere spenden. Diese Blutgruppen vertragen sich nicht; gibt es jetzt ein anderes Paar, bei dem der Spender die Blutgruppe B und der Empfänger die Gruppe A hat, kann man die Paare zusammenführen mit dem Ziel, für den fremden Nierenkranken spenden. Diese Möglichkeit tritt zurzeit etwas in den Hintergrund, weil Methoden entwickelt wurden, trotz Unverträglichkeit der Blutgruppen die Transplantation durchzuführen; dazu ist aber eine komplizierte und nicht risikofreie Vor- und Nachbehandlung des Empfängers notwendig. Diese Behandlung lässt sich auch bei Patienten anwenden, die aufgrund vorangegangener Transplantationen oder vieler Transfusionen Antikörper gegen die meisten menschlichen Gewebseigenschaften gebildet und deswegen kaum eine Chance haben, auf normalem Wege transplantiert zu werden. Auch Patienten mit beiden Problemen, der Blutgruppenunverträglichkeit und den Antikörpern gegen fremdes Gewebe sind nach entsprechender Behandlung schon erfolgreich transplantiert worden. (siehe Crossover Transplantation aus dem News-Archiv der Dialyse im Alstertal). Die Langzeitergebnisse der altruistischen Nierenspende sind genauso gut wie bei einer Verwandtenspende mit einer 50%-igen Übereinstimmung. Diese Form der Nierenspende, also von einem Spender, der nicht mit dem Empfänger "emotional" verbunden ist, gibt es in Deutschland offiziell nicht. Die Auswahl an Lebendspendern kann auch erweitert werden, wenn man Menschen mit Hochdruck, Fettleibigkeit und höherem Lebensalter zulässt. Es gibt Untersuchungen an Nierenspendern mit mäßigem Hochdruck und ohne weitere Risikofaktoren. Danach besteht kein erhöhtes Risiko für die Spender, später eine Verschlechterung des Hochdrucks, eine Eiweißausscheidung im Urin oder einer schlechtere Nierenfunktion zu entwickeln. Ähnliche Ergebnisse liegen für sonst gesunde fettleibige Spender vor, also zum Beispiel für einen Menschen mit einem Bodymass-Index über 30, das entspricht einem Gewicht von 96 kg bei 1,80 m Körpergröße. Zu bedenken ist, dass Menschen mit Fettleibigkeit ein höheres Risiko haben, während und nach einer Operation zu erkranken. Bis vor einigen Jahren wurden Nieren von Spendern im Alter von 50 bis 60 Jahren abgelehnt, weil die Ergebnisse im Vergleich zu jüngeren Nierenspendern deutlich schlechter waren: später Funktionsbeginn nach der Operation, mehr Komplikationen, höhere Kreatininwerte und eingeschränkte Langzeitfunktion. In Europa hat man deswegen ein Programm entwickelt, welches ältere Spendernieren für ältere Empfänger vorsieht, die Ergebnisse sind gut. Bei der Lebendspende von Älteren sind die Ergebnisse nicht einheitlich. Das liegt unter anderem daran, dass die Nierenfunktion älterer Menschen nur bei einem Drittel normal ist. Zudem häufen sich im Alter die Krankheiten des Herzens und der Gefäße. Die Komplikationen während und nach Operationen sind häufiger als bei Jüngeren. Ein gesunder Lebendspender im Alter von 55 bis 65, vielleicht 70 Jahren sollte aber nicht abgelehnt werden. Und ältere Empfänger? Das Durchschnittsalter der Dialysepatienten liegt bei 60 Jahren. Die Älteren haben mehr Komplikationen als Jüngere nach einer Transplantation: Herz- und Gefäßprobleme, Infektionen. Sie haben eine kürzere Lebenserwartung, aber sie haben weniger akute Abstoßungen, sie benötigen weniger abstoßungsverhindernde Medikamente und: die Sterblichkeit auf der Warteliste ist größer als nach einer gelungenen Transplantation. Eine Lebendspende von einem Verwandten ist somit bei Älteren möglich. In Deutschland ist also eine Nierenübertragung zwischen emotional nicht verbundenen Personen nicht erlaubt. Eine Überprüfung dieser Verbundenheit ist oft schwer möglich. Es wäre aber schon ein großer Fortschritt, wenn Lebendspenden zwischen Verwandten und zwischen Paaren zunehmen würden, wenn wir also wenigstens Transplantationsraten wie in Skandinavien oder in den USA erreichen würden. Unbedingt müssen gleichzeitig die Dialysebedingungen optimal gestaltet werden, um eine akzeptable Behandlungsalternative für alle Patienten zu haben, die nicht transplantiert werden können. Und nicht zuletzt muss versucht werden, die Krankheiten, die zur Dialyse führen, behandelbar zu machen. Aber auch wir selbst müssen alles vermeiden, was unsere Nieren krank machen kann: Übergewicht mit der Gefahr der Entstehung von Zuckerkrankheit, schlecht kontrollierten Hochdruck, Mangel an regelmäßiger Bewegung und Gifte, die sich auch schädlich auf die Nierenfunktion auswirken: zum Beispiel das Rauchen. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
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