Mono und/oder Kombinationstheorie
(erstellt am: 24.05.2007 - letzte Änderung:24.05.2007 - aufgerufen: 1151 Mal)
ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Blocker und Aldosteronantagonisten – Mono- und/oder Kombinationstherapie?

Hinweis: Das Nephrologische Seminar Heidelberg ist traditionell neben dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie das wichtigste jährliche Treffen der deutschen Nephrologen. Es beschäftigt sich hauptsächlich mit aktuellen Fragen, die auch eine Bedeutung für die tägliche Praxis haben. Die Vortragenden kommen überwiegend aus Europa und den USA. Der folgende Beitrag basiert auf einem Vortrag auf dem 29. Neprologischen Seminar im Jahr 2005.

Einführung: Die in der Überschrift aufgeführten Medikamentengruppen sind primär zur Behandlung des Bluthochdrucks entwickelt worden, wobei die Aldosteronantagonisten eine Sonderstellung einnehmen, weil sie die ältesten Substanzen sind und wasserausschwemmend wirken. Die ACE-Hemmer sind altbekannt und Standardmedikamente in der Therapie des Hochdrucks, das gilt inzwischen auch für die neueren Angiotensin-Rezeptor-Blocker (sog. Sartane). Zu der erstgenannten Gruppe gehören zum Beispiel Captopril (früher Lopirin), Lisinopril, Enalapril und Ramipril, zu der letztgenannten Lorzaar, Aprovel=Karvea, Kinzal und andere. Im Laufe der Jahre hat man bei den drei Medikamentengruppen festgestellt, dass sie eine Herzmuskelschwäche unabhängig von der Blutdrucksenkung bessern können. Für diesen Zweck werden sie heute auch primär eingesetzt. Weiterhin stellte sich heraus, dass die ACE-Hemmer und die Angiotensin-Rezeptor-Blocker in der Lage sind, das Fortschreiten einer Nierenschwäche zu verhindern bzw. zu verlangsamen. (A.d.V.)

Prof. Dr. Ritz aus Heidelberg stellte in seinem Vortrag dar, dass nach Analyse vieler mit den o.g. Medikamenten durchgeführten Studien kein Zweifel daran besteht, dass ACE-Hemmer das Risiko für das Auftreten einer terminalen Niereninsuffizienz (Dialysebeginn) um 37% reduzieren. Anders ausgedrückt müssen 24 Patienten über 2 Jahre mit ACE-Hemmern behandelt werden, um einen Fall von Dialysepflichtigkeit zu verhindern. Ähnliche Ergebnisse fanden sich auch für die Angiotensin-Rezeptorblocker Losartan und Irbesartan (Lorzaar und Karvea=Aprovel).

Diese Aussagen gelten für die diabetische und nichtdiabetische Niereninsuffizienz. Ein wichtiger Punkt ist, dass die Wirkung durch hohe Kochsalzzufuhr aufgehoben und durch Gabe von (Kochsalz ausschwemmenden) Diuretika, zum Beispiel Furosemid=Lasix, verstärkt wird.

Zur Frage, wann eine solche Therapie sinnvoll ist, d.h. in welchem Stadium der Niereninsuffizienz man anfangen soll, ist zu sagen, dass der frühe Beginn am wirkungsvollsten ist, dies gilt besonders für die diabetische Nierenerkrankung mit Eiweissverlust. Über das bisher Gesagte besteht Einigkeit.

Was aber ist zu tun, wenn trotz guter Blutdrucksenkung mit den o.g. Medikamenten die Niereninsuffizienz mit Eiweissverlust ungebremst fortschreitet? Darauf gibt es laut Prof. Ritz drei Antworten:

  1. Dosissteigerung über das Maß hinaus, mit dem eine Blutdrucknormalisierung erreicht werden kann. Die Veränderungen in der geschädigten Niere erfordern offenbar sehr hohe Dosen, um die Eiweissausscheidung zu senken.
  2. Kombination von ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptorblockern. Bei Kombination in der für die Blutdrucksenkung zugelassenen Dosis kommt es sowohl zur weiteren Verminderung des Eiweissverlustes als auch zur Verlangsamung des Kreatininanstieges. Wenn man solche ungewöhnlichen Dosierungen und Kombinationen anwendet, muss besonders sorgfältig auf Nebenwirkungen geachtet werden.(zum Beispiel hohes Kalium, Salzverlust über die Nieren, Blutarmut).
  3. Einsatz von Aldosteronantagonisten (Aldactone, Eplerenon). Beide Substanzen sind Gegenspieler des körpereigenen Hormons Aldosteron, welches (in Tiermodellen) die Verschlechterung einer Nierenschädigung fördert.

Man hat festgestellt, dass eine solche Therapie dann zu einer Besserung der Eiweissausscheidung führen kann, wenn es unter einer Behandlung mit ACE-Hemmern und Angiotensin-Rezeptorantagonisten zu einem Anstieg des Aldosteron kommt (s.o.). Diese Aussage gilt für Typ 2-Diabetiker mit Niereninsuffizienz und Eiweissverlust. Da diese Behandlung zu einem erheblichen (und gefährlichen) Anstieg des Kaliumwertes führen kann und die Übertragung der Ergebnisse auf Nichtdiabetiker noch nicht gesichert ist, ist sie noch nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

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