MRSA
(erstellt am: 20.10.2007 - letzte Änderung:31.10.2007 - aufgerufen: 930 Mal)
Definition: Mit dieser Abkürzung bezeichnet man eine bestimmte Bakterienart, die sich dadurch auszeichnet, dass sie gegen viele Antibiotika bereits resistent ist, d.h., dass diese Antibiotika gegen diese Bakterien nicht wirksam sind. Die Abkürzung bedeutet:
  • M = Methicillin, Methicillin ist ein mit dem Penicillin verwandtes Antibiotikum, welches heute nur noch zu Testzwecken eingesetzt wird; wenn Bakterien auf dieses Antibiotikum nicht reagieren, dann sind sie meistens auch gegen bestimmte andere Antibiotika resistent.
  • R = resistent, unempfindlich gegen eine Substanz, in diesem Fall gegen ein Antibiotikum
  • S = Staphylokokkus: traubenförmig, es handelt sich also um Bakterien, die traubenförmige Haufen bilden.
  • A = aureus: goldfarben, diese Bakterien bilden in Kulturen auf Nährböden gelbe/ goldfarbene Kolonien.
Was tun sie?
Staphylokokken, ob resistent oder nicht, verursachen meistens Haut-, Wund- und Weichteilinfektionen. Selten sind sie verantwortlich für Herzinnenhaut-, Lungen- und Knochenentzündungen, sie können Erreger einer Sepsis („Blutvergiftung“) sein, besonders bei Menschen mit Abwehrschwäche, die mit einem Venenkatheter versorgt sind.

Was heißt resistent?
Resistent bedeutet in der Bakteriologie, dass bestimmte Bakterien gegen häufig eingesetzte Antibiotika Abwehrmaßnahmen entwickeln. So haben manche Keime gegen das erste von Menschen eingesetzte Antibiotikum, das Penicillin, welches am Anfang gegen fast alle Bakterien hochwirksam war, einen Abwehrstoff entwickelt, der das Penicillin zu einer unwirksamen Substanz abbaut. Natürlich haben dann Forscher Penicilline entwickelt, die gegen diesen Abwehrstoff der Bakterien gefeit waren. Aber dieser Kampf ist einer, der nicht endet, weil Bakterien sich rasend schnell vermehren und so sehr rasch Abwehrstrategien entwickeln. Und leider ist es so, dass dieser Abwehrkampf um so schneller und umso erfolgreicher (für die Bakterien! ) ist, je mehr Antibiotika wir anwenden.

Die Unsitte, bei banalen grippalen Infekten Antibiotika zu geben, hat diese Tendenz sehr gefördert. Viren, die Erreger grippaler Infekte, reagieren nicht auf Antibiotika. Auch die beiden Mittel gegen eine in der Zukunft befürchtete Grippeepidemie, die von Regierungen in großen Mengen gehortet werden, sind jetzt bereits bei vielen Viruserkrankungen unwirksam, weil Menschen bei Erkältungsinfekten aus Angst, es könne sich um die befürchtete Epidemie handeln, vorsorglich diese Substanzen eingenommen haben. Diese sind aber auch von Ärzten schon oft verschrieben worden. Besonders resistenzfördernd waren Maßnahmen in der Tierzucht. Über viele Jahre wurden Schweine mit Antibiotika gefüttert, um das schnelle Wachstum zu fördern. Das ist jetzt nicht mehr erlaubt. Besonders häufig haben sich Resistenzen in Krankenhäusern gebildet, weil hier wegen der Schwere der Erkrankungen, besonders zum Beispiel auf Intensivstationen, oft Antibiotika eingesetzt werden und werden müssen.

Was ist die Folge einer solchen Entwicklung?
Solange die Forscher der Pharmaindustrie rechtzeitig neue gegen krankmachende Bakterien wirksame Substanzen entwickeln, gibt es wenig Probleme. Es sieht aber so aus, als seien uns die Bakterien immer einen Schritt voraus.

Therapie und Vorsorge
Die oben beschriebenen MRSA sind heute noch auf wenige Reserveantibiotika empfindlich, es gibt aber inzwischen andere Erreger, gegen die es kein Antibiotikum oder nur sehr schlecht verträgliche gibt. Eine Infektion mit solchen Bakterien kann dann nicht behandelt werden und zum Tode führen.

Natürlich hat der Mensch ein eigenes, hochwirksames Abwehrsystem, welches unter normalen Bedingungen mit solchen Keimen fertig wird. Aber von den Problemkeimen werden häufig Menschen befallen, die aufgrund einer Erkrankung oder einer intensiven Therapie abwehrschwach sind und sich nicht ausreichend verteidigen können. Das können Menschen mit Tumoren sein, besonders solche, die wegen einer Krebserkrankung eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung bekommen haben. Auch und besonders Organtransplantierte sind gefährdet. Vor allem in der Anfangsphase der Transplantation, wenn die Dosis der abstoßungsverhindernden Medikamente noch hoch sein muss. Aber auch chronische Erkrankungen wie Diabetes und Niereninsuffizienz mit Dialysenotwendigkeit schwächen die Abwehrkraft.

Aus diesem Grund sind manche Dialysezentren dazu übergegangen, von Besuchern einen Nachweis zu fordern, dass sie keine MRSA-Träger sind; diese Patienten müssen einen Nasenschleimhautabstrich nachweisen, der frei von MRSA ist (diese Keime nisten sich gerne in der Nasenschleimhaut ein). Wie bei anderen Patienten werden auch bei Dialysepatienten die MRSA besonders bei Haut- und Gewebeinfektionen nachgewiesen. Aber Katheter- und Fistelinfektionen sind keineswegs selten. Lungenentzündungen kommen kaum vor.

Wenn eine Therapie gegen solche Infektionen immer schwieriger wird, hilft nur Vorbeugung. In Holland geht man besonders konsequent vor. Bei Aufnahme in ein Krankenhaus werden Patienten auf Infektionen mit resistenten Keimen untersucht, solange das Ergebnis nicht vorliegt, werden sie isoliert. Fällt der Nachweis positiv aus, bleiben sie in der Isolierung und werden im weiteren Verlauf wie Infektiöse behandelt, um andere Patienten nicht zu gefährden. Sind die Patienten nur Träger von MRSA (z.B. in der Nasenschleimhaut), werden sie örtlich behandelt.

In holländischen Krankenhäusern sind schon ganze Abteilungen wegen solcher Bakterien geschlossen worden, auch Intensivstationen. Natürlich wird gleichzeitig sehr rigoros auf die Einhaltung der Hygiene geachtet, besonders auf das Waschen und Desinfizieren der Hände. Diese sind die häufigste Infektionsquelle. In holländischen Krankenhäusern liegt der Anteil der Infektionen mit MRSA von allen Staphylokokkeninfektionen seit Jahren unter 1 Prozent. Ähnlich ist die Situation in Skandinavien. Deutlich höher ist der Befall in deutschen Kliniken mit durchschnittlich 22%, noch höher in Italien, Spanien, Japan und den USA. Wenn man eine weitere fatale Entwicklung vermeiden will, helfen nur eine konsequente (Hände-) Hygiene, der gezielte und sparsame Einsatz von Antibiotika und die Entwicklung neuer Antibiotika.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)
Quelle: "UpToDate" ( www.uptodate.com )

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