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| Nachtdialyse | ||
| (erstellt am: 29.01.2007 - letzte Änderung:30.08.2007 - aufgerufen: 1890 Mal) | ||
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Die nächtliche Langzeitdialyse („nocturnal hemodialysis“) Seit dem 06. November 2006 gibt es in der „Dialyse im Alstertal“, Heegbarg 16, 22391 Hamburg (Dr. Woggan und Dr. Wullstein) die oben beschriebene Dialyseform. Sie bietet:
Der Beginn der Umstellung erfolgt unter ärztlicher Anwesenheit. Wenn Schwierigkeiten auf-treten, wie z.B. Schlafstörungen, kehren die Patienten in ihre gewohnte Dialyseform zurück. Nachfolgend werden die Entwicklung und die überwiegend positiven, aber auch die negativen Seiten der „nocturnal hemodialysis“ besprochen. Einführung und Überblick Die Frage, wie viel Dialyse ein niereninsuffizienter Mensch braucht, ist sehr alt und bis heute nicht vollständig geklärt. Daraus ergibt sich die Frage: Woran kann man messen, wie viel Entgiftung ein Nierenkranker braucht? Man fragt nach:
Diese Werte haben Normbereiche, die nicht unterschritten werden sollten. Liegen sie unterhalb der Norm, wird die Dialysedosis erhöht, wenn sich für die Abweichung kein anderer Grund findet. Entweder
Drei Dialyseverfahren haben sich als wirksam erwiesen, die Erkrankungshäufigkeit von Dialysepatienten zu vermindern und deren Lebensqualität zu erhöhen.
Durchführung der nächtlichen, täglichen Langzeitdialyse Die Behandlung wird überwiegend zu Hause mit oder ohne Partner durchgeführt. Es wird an sechs oder sieben Tagen in der Woche dialysiert. Die Dialysedauer hängt von der Schlafdauer ab und beträgt 6 bis 12 Stunden. Die nächtliche Dialyse kann sowohl über eine normale arterio-venöse Fistel als auch über einen Katheter erfolgen. Die Dialyse über eine Nadel (single-needle-Dialyse) ist problemlos möglich. Sie bietet sogar den Vorteil, dass ein versehentliches Herausziehen der Nadel seltener vorkommen kann. Ein ungewolltes Ziehen der Nadel bleibt folgenlos durch Feuchtigkeitsdetektoren an der Punktionsstelle sowie durch eine so genannte Luftfalle des Dialysegerätes. Bisher wurde bei konsequenter Befestigung der Nadel kein Fall einer Diskonnektion berichtet. Die Effektivität der Dialyse wird bewusst reduziert; es werden also kleinere Filter verwendet, der Dialysatfluss wird verlangsamt, der Blutfluss kann ebenfalls vermindert werden. Die Spüllösungsart und -menge muss angepasst werden. Durchführung der nächtlichen Langzeitdialyse an drei Tagen in der Woche Im Unterschied zur täglichen Langzeitdialyse kann dieses Verfahren auch in einem Zentrum mit Schwestern und Hilfspersonen praktiziert werden. Technisch unterscheiden sich die beiden Verfahren nicht wesentlich. Die Schlaf (= Dialyse-)dauer liegt bei sechs bis acht Stunden. Die Maschinen werden von den Schwestern und Hilfskräften vorbereitet, es wird mit zwei Nadeln punktiert, um die Effektivität nicht zu stark zu reduzieren. Während der Schlafphase wird einmal oder zweimal der Blutdruck kontrolliert. Ein Arzt ist nicht anwesend, aber unmittelbar erreichbar. Auch hier muss die Spüllösung entsprechend der verstärkten Entfernung von zum Beispiel Kalium, Calcium oder Phosphat modifiziert werden. Für wen ist die nächtliche Dialyse von Nutzen? Sie bietet vor allem Vorteile für
Risiken und Probleme einer täglichen Nachtdialyse Durch sechs oder sieben Dialysen in der Woche werden die arteriovenösen Fisteln stärker belastet. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass dadurch die Lebensdauer einer Fistel verkürzt wird, aber eine gute Möglichkeit, dieses Problem zu vermeiden, ist die „single-needle-Punktion“ (s.o.). Nicht selten treten Schlafprobleme auf, aus diesem Grund muss manchmal eine nächtliche Dialysebehandlung abgebrochen werden. Es kann, insbesondere bei der sechsmaligen Behandlung, zum Calcium- und Phosphatverlust kommen. In diesem Fall müssen die Spüllösungskonzentrationen angepasst werden (s. o.). Nicht selten treten Schlafprobleme auf, aus diesem Grund muss manchmal eine nächtliche Dialysebehandlung abgebrochen werden. Es kann, insbesondere bei der sechsmaligen Behandlung, zum Calcium- und Phosphatverlust kommen. In diesem Fall müssen die Spüllösungskonzentrationen angepasst werden (s. o.). Durch die tägliche Nachtdialyse wird – verglichen mit der konventionellen Dialyse – doppelt so viel Material verbraucht. Die Kosten liegen deshalb wesentlich höher. Ausgeglichen werden können diese nur durch die niedrigeren Aufwendungen für Erkrankungen, Krankenhausaufenthalte und Medikamente (z.B. Erythropoietin) und vor allem durch die Dialysebehandlung zu Hause. Mit Ausnahme der höheren Kosten gelten diese Einschränkungen auch für die nächtliche Langzeitdialyse an drei tagen in der Woche. Vorteile der nächtlichen Langzeitdialyse (täglich und dreimal in der Woche) Durch die Verlagerung der Behandlung in die Nacht gibt es im Vergleich zur „normalen „ Behandlung an drei Wochentagen und zur täglichen Kurzzeitdialyse einen entscheidenden Zeitgewinn, der nicht selten die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit ermöglicht. Wesentlich ist aber die Verbesserung der Dialyseeffektivität, die in vielfacher Weise erkennbar wird. Es gibt Möglichkeiten, die Lebensqualität zu messen. Diese Messmethoden zeigen eine erhebliche Verbesserung der meisten für die Lebensqualität wichtigen Parameter. Die „Giftwerte“, d.h. die Werte für Harnstoff und Kreatinin, gemessen mit dem KT/V, sinken deutlich. Dieser wird bei der sechsmaligen Behandlung mindestens verdoppelt und bei drei Langzeitdialysen in der Woche um etwa 50 % erhöht. Ganz wesentlich ist aber die Entfernung von Giftstoffen, die laborchemisch in der Routine nicht erfasst werden. Die bessere Entgiftung hat zur Folge, dass mehr rote Blutkörperchen gebildet werden, die Blutarmut ist deutlich weniger ausgeprägt, der Bedarf an Erythropoietin (Medika-ment zur Stimulation der Bildung von roten Blutkörperchen) sinkt. Damit kommt es zur besseren Organdurchblutung und in der Folge zu einer besseren körper-lichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Der Blutdruck lässt sich mit erheblich weniger Medikamenten besser einstellen. Da-durch wird das Herz entlastet, Herzerkrankungen können sich zurückbilden. Dies gilt insbesondere für eine bei vielen Patienten bereits vorhandene schwerwiegende Herzmuskelvergrößerung. Es gibt Berichte aus kleineren Gruppen, dass sich erhöhte Fettwerte ebenfalls verbessern. Ein großes, besonders in den letzten Jahren deutlich gewordenes, Problem ist der zu hohe Phosphatwert. Man hat erkannt, dass ständig zu hohe Werte zu einer verstärkten Gefäß-verkalkung führen können, die Leben und Gesundheit von Dialysepatienten erheblich bedroht. Die nächtliche Dialyse bewirkt eine wesentlich höhere „Phosphatclearance“ (Phosphatentfernung) mit der Folge, dass Phosphatbinder reduziert oder ganz weggelassen werden können und dass Diätvorschriften gelockert werden können. Es kann sogar notwendig sein, der Spüllösung Phosphat zuzusetzen. Beta2-Mikroglobulin ist ein krankhaft veränderter Eiweißstoff, der sich besonders in Knochen und Gelenken ablagert und zu schweren Deformierungen mit Bewegungseinschränkungen führt. Dieser Stoff wird bei der Langzeitbehandlung wesentlich effektiver entfernt. Zwar gibt es Patienten, die – besonders im Zentrum – während der Dialyse nicht schlafen können, aber bei den meisten Patienten verbessert sich die Schlafqualität. Diätetische Vorschriften (siehe: Phosphat) können gelockert werden. Insbesondere soll der Eiweißkonsum wegen des Eiweißverlustes über die verlängerte Dialyse eher gesteigert werden. Dies gilt auch für die wasserlöslichen Vitamine. Zusammenfassung Sowohl die hier beschriebene nächtliche Langzeitdialyse mit drei oder sechs Behandlungen pro Woche als auch die tägliche Kurzzeitdialyse sind Therapieformen, die erhebliche Vorteile für die betroffenen Patienten bieten. Nicht eindeutig geklärt ist bisher allerdings die Frage, ob es neben der Verbesserung der Lebensqualität mit mehr Lebensfreude und deutlicher Zeitersparnis auch zu einer Lebenszeitverlängerung kommt. Für die Langzeitdialyse gibt es erste, kleine Studien, die diese Frage bejahen. Das Hauptproblem bei den täglichen Dialyseformen ist die Verdoppelung der Kosten für Material und Personal, die zurzeit den Dialyseversorger ( Dialyseärzte oder Gesellschaften ) belasten würde, solange die Krankenkassen für diese Behandlungsarten keine Sondervergütung anbieten. Die nächtliche Langzeitdialyse an drei Tagen in der Woche stellt somit einen Kompromiss dar, der finanziell tragbar ist und gleichzeitig erhebliche Vorteile für die Patienten bietet. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) Hinweis: Im Literaturverzeichnis finden Sie weitere Qwuellen zu diesem Thema. | ||
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