Nierentransplantation / Unterschiede zwischen Mann und Frau?
(erstellt am: 05.09.2008 - letzte Änderung:05.09.2008 - aufgerufen: 20737 Mal)
Auch bei der Transplantation gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Niere einer Frau ist in einem männlichen Körper – mangels Masse – oft überfordert. Bekommt eine Frau ein männliches Organ, ist bei einem Teil der Transplantationen die Abstoßungsgefahr größer als bei einer weiblichen Niere.

Zugrunde liegt eine Studie – die „Collaborative Transplant Study“. Diese ist die weltweit größte Datensammlung mit Langzeitergebnissen von Organtransplantationen. Darin wurden die Daten von etwa 160.000 Patienten untersucht, denen eine Niere verpflanzt worden war. Die Transplantation einer weiblichen Niere erwies sich bei einer kleinen Zahl der Transplantationen als nicht so erfolgreich wie die einer männlichen, unabhängig vom Geschlecht des Empfängers. Man führt das auf die geringere Anzahl von Nierenkörperchen in den weiblichen Nieren zurück. Bei weiblichen Empfängern war das Risiko einer Abstossung im ersten Jahr gut 10% höher, wenn sie eine männliche Niere erhalten hatten. Auch in den folgenden neun Jahren war die Gefahr einer Abstossung ähnlich hoch.

Insgesamt ist aber das Langzeitergebnis bei Frauen mit männlichen Nieren nicht wesentlich schlechter, weil die höhere Zahl an Nierenkörperchen das Abstoßungsrisiko ausgleicht. Die Autoren sind der Meinung, dass man die Ursache dieser Unterschiede genauer untersuchen sollte, insbesondere die Frage, ob das männliche Y-Chromosom für die höhere Zahl an Abstoßungen verantwortlich ist. Sie stellen Überlegungen an, ob einer Frau unbedingt „mehr Niere“ verpflanzt werden soll als sie braucht. Und ob Frauen nicht davon profitieren würden, weibliche Nieren transplantiert zu bekommen, die sie nicht so leicht abstoßen. Und ob Männer nicht besser dran wären mit männlichen Transplantaten. Das sind Überlegungen für die Zukunft, um die Transplantation noch ein wenig erfolgreicher zu machen.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 105, Heft 34 – 45, 25. August 2008
The Lancet 2008; 372: 49 - 53

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