Wasseransammlung im Gewebe
(erstellt am: 25.01.2007 - letzte Änderung:05.03.2009 - aufgerufen: 1394 Mal)
Wasseransammlung (Ödeme) im Gewebe, zum Beispiel in den Beinen. Ödeme können in jeder Körperregion entstehen. Im Normalfall wird genausoviel Wasser aus dem Gewebe abtransportiert, wie über die Schlagadern und die Haargefäße = Kapillaren dort hingebracht wurde, den Abtransport übernehmen die Venen und die Lymphgefäße (s. dort). Wieso bleibt Wasser überhaupt in der Blutbahn? Die Natur bedient sich der Tatsache, dass Eiweiße, in diesem Fall Albumin, Wasser binden können, erst bei Erhöhung des Druckes in den Adern wird irgendwann die Bindungskraft der Eiweiße überfordert und das Wasser tritt aus den Adern in das Gewebe über. Wenn man sehr lange mit stark abgeknickten Beinen sitzen muss, kann man dieses Phänomen an sich selbst beobachten.

Wenn das Herz das über die Venen aus dem Körper ankommende Blut nicht weiterpumpen kann, weil der Muskel zu schwach ist oder weil die Herzklappen nicht richtig schließen oder öffnen, staut sich das Blut vor dem Herzen. Der Druck in den Adern nimmt zu und das Wasser tritt am tiefsten Punkt aus, da, wo der Druck am höchsten ist, das sind die Füße und die Knöchel. Man nennt diese Wasseransammlung Stauungsödeme.

Können die Nieren das Wasser nicht mehr ausscheiden, entsteht eine Überwässerung des gesamten Organismus. Das Wasser kann sich an mehreren Stellen zeigen, an den Beinen, aber auch als Flüssigkeitsansammlung in den Hohlräumen, im z.B. im Brustraum als Erguss oder im Bauchraum als Bauchwassersucht. Besonders quälend ist eine Wasseransammlung in den Lungenbläschen, die zu einer bedrohlichen Atemnot führt. Diese Form der Wasseransammlung kann auch bei einer akuten Herzschwäche, bei einem Herzmuskelinfarkt, auftreten. Als in den 50-er Jahren die letzten Kriegsgefangenen aus Russland heimkehrten, waren darunter etliche, die ebenfalls dicke Beine hatten. Sie hatten keine Herzmuskelschwäche, sondern wegen der schlechten Ernährung einen Eiweißmangel. Somit konnte das Wasser in den Adern nicht gehalten werden (s.o.), das sind Eiweißmangel- oder Hungerödeme.

Es gibt auch Schwellungen, wenn man eine Entzündung hat, z.B., wenn man von einem Insekt gestochen wird oder wenn man eine bakterielle Infektion hat; das sind Entzündungsödeme. Wenn Lymphbahnen verstopft oder von Geburt an nicht angelegt sind, kommt es zum Lymphödem. Es gibt eine Nierenentzündung, die Glomerulonephritis, die mit einer vermehrten Durchlässigkeit der kleinen Adern einhergeht. Hier bilden sich die Ödeme an den weichen Geweben, z.B. an den Augenlidern.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Nephro-Glossar
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