Palliativmedizin
(erstellt am: 30.01.2008 - letzte Änderung:30.01.2008 - aufgerufen: 821 Mal)
Entwicklung der Palliativmedizin in Deutschland
Die Themen Euthanasie, aktive und passive Sterbehilfe sowie Beihilfe zur Selbsttötung sind im vergangenen Jahr oft und heftig diskutiert worden. Der Hintergrund ist das auch jetzt noch ständig steigende Lebensalter der Menschen.Damit verbunden sind auch langdauernde Zustände schwerer Krankheit wie Krebs, Herzschwäche und Demenz. Das bedeutet, dass viele Menschen zunehmend hilflos werden, sich nicht mehr vollständig versorgen können und auf Hilfe angewiesen sind.

Im Zusammenhang mit dieser Problematik ist in den letzten Jahren die Palliativmedizin mehr in Vordergrund gerückt („ palliativ“ kommt von dem lateinischen Wort pallium= der Mantel und bedeutet lindernde Medizin im Gegensatz zur heilenden Medizin). In den Krankenhäusern wurden die Liegezeiten verkürzt, die Vergütungen reduziert, das Personal abgebaut, sodass dort überwiegend nur noch eine sehr rationalisierte, technische Medizin praktiziert werden kann. Eine sich dem Patienten zuwendende, tröstende Haltung, die notwendig ist, wenn die traditionelle Medizin am Ende ist, findet sich dort nur noch selten. Das hat dazu geführt, dass spezielle Abteilungen entstanden sind, in denen Menschen aufgenommen werden, die „nur“ noch Nahrung, Flüssigkeit, Schmerzmittel und vor allem menschliche Zuwendung benötigen. In den Krankenhäusern sind dies die Palliativstationen, von denen es zurzeit in Deutschland 142 gibt, daneben gibt es, mit ähnlichen Aufgaben und unabhängig von den Krankenhäusern, so genannte Hospize, die oft aus Spenden oder Stiftungen finanziert werden. Deren Zahl liegt bei 142. Beide haben ähnliche Aufgaben und haben im Jahr 2007 30.000 Patienten versorgt. Nach Meinung von Experten bräuchten wir in der Bundesrepublik etwa noch einmal die gleiche Anzahl Betten für eine ausreichende Palliativversorgung.

Sehr gut ergänzt wird die Tätigkeit der stationären Palliativeinrichtungen durch ambulante Dienste. Diese häusliche Versorgung soll durch die in der Gesundheitsreform enthaltenen Richtlinien demnächst verbessert werden. Aus den Niederlanden, wo aktive Sterbehilfe erlaubt ist, weiß man, dass die Angst vor Schmerzen und Leiden, vor Verlust der Selbstbestimmung und der persönlichen Würde zu dem Wunsch nach Sterbehilfe führt. Wenn in Deutschland die o.g. Institutionen flächendeckend eingerichtet sind, könnte das die Frage nach Beihilfe zum Suizid (Selbstmord) und aktiver Sterbehilfe weitgehend überflüssig machen.

Aber nicht nur die Palliativeinrichtungen müssen ausgebaut werden, auch das Bewusstsein und die fachlichen Fähigkeiten der Ärzte müssen verändert werden. Eine Untersuchung aus Deutschland zeigt, dass von Ärzten eine aktive Sterbehilfe eher empfohlen wird, wenn sie wenig Kenntnisse haben, wie man Leiden lindert. Bislang ist das Fach Palliativmedizin in der Ausbildungsordnung der Ärzte nicht enthalten. Es gibt aber inzwischen einen Lehrstuhl für Palliativmedizin und etliche Universitäten, die dieses Fach lehren. Praktizierende Ärzte haben auch die Möglichkeit, eine Zusatzweiterbildung in Palliativmedizin zu absolvieren, die zunehmend genutzt wird. Auch für Studenten, Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Seelsorger und Physiotherapeuten werden entsprechende Kurse angeboten.

Gunther Warnecke,Hamburg (Internist)

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 105, Heft 4, 25. Januar2008
Reinhold Gestrich; Gespräch mit Schwerkranken
Christian Lilje; Klinische ethics consultation
Reinhard Lay; Ethik in der Pflege

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