PEG-Sonde
(erstellt am: 20.03.2008 - letzte Änderung:20.03.2008 - aufgerufen: 959 Mal)
Dieser Begriff beschreibt eine spezielle Sondenform für die künstliche Ernährung eines Menschen.

Eine künstliche Ernährung ist grundsätzlich in zwei Formen möglich:
  1. als intravenöse Flüssigkeitszufuhr mit darin gelösten Stoffen = parenterale Ernährung.
  2. als Sondenernährung über Magen- , Zwölffingerdarm- oder Dünndarmsonden = enterale Ernährung.
In beiden Fällen werden alle Stoffe gegeben, die für das Überleben eines menschlichen Organismus notwendig sind. Dazu gehören Kohlenhydrate, Fette und Aminosäuren. Ergänzt werden diese Mischungen mit lebensnotwendigen Salzen: Natrium und Chlorid als Kochsalz, Magnesium, Calcium und Phosphor. Nicht fehlen dürfen Spurenelemente wie Kupfer, Mangan, Eisen, Jod, Fluor, Zink, Selen, Chrom, Molybdän, Kobalt und Nickel. Äußerst wichtig sind Vitaminzusätze, besonders von Vitaminen, die der Körper nicht speichern kann.

Parenterale Ernährung: Eine volle Ernährung über eine Vene ist nur über einen begrenzten Zeitraum möglich und muss, wenn sie länger dauern soll, über einen zentralvenösen Zugang durchgeführt werden. Eine Armvene würde sich nach kurzer Zeit entzünden, thrombosieren und veröden.

Anwendung: Bei Frühgeborenen, bei denen eine Nahrungszufuhr über den Mund und den Darm noch nicht möglich ist. Ebenfalls notwendig nach einer Operation von Speiseröhren- und Magenkrebs sowie nach Entfernung großer Teile des Dünndarms. Ob diese Ernährungsform bei AIDS, akuter Verschlechterung einer chronischen entzündlichen Darmerkrankung und bei akuter Bauchspeicheldrüsenerkrankung sinnvoll ist, ist nicht klar.

Enterale Ernährung: Grundsätzlich gilt: Solange der Darm arbeitet, soll man ihn benutzen. Man soll also möglichst immer die Nahrung auf dem natürlichen Weg zuführen. Zudem ist diese Form nicht nur erheblich billiger, effektiver, mit weniger Infektionen und anderen Komplikationen belastet, sondern führt auch zu kürzeren Liegezeiten.

Zugangswege: Magensonden sind schon seit ca. 400 Jahren bekannt. In den USA werden 100 000 Sonden pro Jahr gelegt. Allerdings wird dort auch akzeptiert, dass dadurch die Pflege vereinfacht wird.

Die heute verwendeten Sonden bestehen aus Gummi oder weichem Kunststoff. Man kann sie von der Nase in den Magen oder in den Zwölffingerdarm oder in den oberen Dünndarm legen. Diese Zugänge haben den Nachteil, dass die Schläuche leicht aus Versehen entfernt oder gezogen werden und dass sie subjektiv lästig sind. Man verwendet deswegen fast nur noch die PEG - Sonden. Diese können während einer Magenspiegelung oder chirurgisch gelegt werden. Das Ende des Schlauches wird mit einem Tupfer abgedeckt und verbunden. Wenn man das Ende der Sonde in den Magen legt, hat man weitgehend natürliche Verhältnisse, allerdings ist dabei die Gefahr größer, dass die Nährflüssigkeit bei Verschlussunfähigkeit des Mageneinganges oder bei Entleerungsstörung des Magens in die Speiseröhre und eventuell in die Luftröhre gelangt. Durch eine solche „Aspiration“ kann eine Lungenentzündung entstehen.

Die Komplikationsraten sind unterschiedlich hoch, sie reichen von 5 bis 70%. Bei sachgemäßer Pflege kann eine PEG – Sonde jedoch jahrelang ohne Probleme funktionieren.

Anwendung: Es gibt sehr unterschiedliche Empfehlungen. Grundsätzlich gilt, dass ein normalgewichtiger Erwachsener 7 bis 14 Tage mit unvollständiger Nahrungsaufnahme gut überstehen kann. Das gilt nicht für Kinder, hier liegt die Frist bei 3 bis 7 Tagen. So profitieren zum Beispiel laut einer Studie Schlaganfallpatienten mit Normgewicht nicht von einer Sondenernährung innerhalb der ersten Woche nach dem Ereignis. Nach Ablauf dieser Zeit sind die Ergebnisse aber positiv. Auch Menschen nach einer Knochenmarktransplantation haben unter einer Sondenernährung einen besseren Verlauf. Bei einer Vielzahl zum Teil sehr widersprüchlicher Studien- und Erfahrungsberichte bleibt folgende Empfehlung:
  • Menschen ohne Einschränkung der Hirnfunktion mit einer Schluckstörung, die die Nahrungsaufnahme unmöglich macht.
  • Menschen mit Magenentleerungsstörung, die medikamentös nicht zu beheben ist und bei denen durch Zurücklaufen des Mageninhaltes über die Speiseröhre die Gefahr einer Aspirationspneumonie besteht (Lungenentzündung durch Einatmen von Mageninhalt). Diese Situation kann bei nicht operierbarem Krebs entstehen.
  • Einschränkung der Nahrungsaufnahme durch Krebs im Kopf- und Halsbereich.
Zu überlegen ist die Anlage einer Sonde bei Menschen mit Appetitverlust und Gewichtsabnahme bei Krebs. Wobei zu bedenken ist, dass diese Maßnahme laut Studienergebnissen nichts am Verlauf der Krebserkrankung ändert. Ebenfalls nachdenken muss man, wenn die Frage ansteht, ob bei einem Demenzkranken wegen einer Schluckstörung oder zur besseren Medikamentengabe eine PEG – Sonde gelegt werden soll. In diesen Fällen spielt immer auch das Argument einer Pflegeerleichterung eine Rolle. Es kann sehr lange dauern, einen Demenzkranken zu füttern!

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Erläuterungen:
PEG: Perkutane Endoskopische Gastrostomie: Eine Sonde wird direkt durch die Bauchwand unter Zuhilfenahme einer Magenspiegelung in den Magen, den Zwölffingerdarm oder den Dünndarm gelegt.
Intravenös = in eine Vene
Kohlenhydrate: Aus Kohlen-, Wasser- und Sauerstoff zusammengesetzte Zucker und deren Abkömmlinge
Aminosäuren sind Eiweißbausteine.
Zentralvenöser Zugang (ZVD): Zugang über eine große Körpervene, zum Beispiel über eine Halsvene oder über eine Schlüsselbeinvene. Dabei muss das Ende des Katheters in der oberen Hohlvene, am rechten Vorhof oder in der unteren Hohlvene liegen. Begründung: Bei langdauernden Infusionen besteht die Gefahr, dass durch den Infusionsinhalt die Venenwand gereizt und geschädigt wird, deswegen braucht man eine Ader, in der viel Blut fließt und ein schneller und ausreichender Verdünnungseffekt gewährleistet ist.
Obere und untere Hohlvene sind die großen Sammelvenen, die das venöse Blut aus dem gesamten Körper zum rechten Herzvorhof bringen.
Venöses Blut: Das Blut fließt nach Abgabe des Sauerstoffs und der in ihm enthaltenen Nährstoffe aus den Organen und Geweben mit Kohlendioxid beladen über die Kapillaren, die kleinen und großen Venen zum Herzen zurück.
Kohlendioxid: Chemische Formel: CO2. Farbloses Gas, ist in der Atemluft mit einer Konzentration von 0,03 Volumenprozent enthalten. Wird auch als Treibhausgas bezeichnet. Ist ein Endprodukt aller tierischen und des menschlichen Stoffwechsels und wird mit der Atemluft über die Lungenbläschen aus dem Körper entfernt. Es wird von Pflanzen aufgenommen und über die Fotosynthese verarbeitet.
Enteral heißt eigentlich: die Eingeweide betreffend (Duden). Leitet sich ab von dem griechischen Wort „enteron“ = das Innere, die Eingeweide, der Darm, besonders: der Dünndarm. Eine enterale Ernährung ist also eine Ernährung über den Darm.
Parenteral: Enteral: Siehe dort, „par“ kommt aus dem Griechischen und heißt: neben, vorbei, über. Gemeint ist eine Ernährung am Darm vorbei, nämlich über eine Vene = intravenös.
Quellen: UpToDate

Nephro-Glossar
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