Peritonealdialyse
(erstellt am: 14.03.2007 - letzte Änderung:03.05.2007 - aufgerufen: 2564 Mal)
Die Technik: Die Grundlage dieser Technik bildet, wie bei der Hämodialyse, eine halbdurchlässige Membran, die bestimmte kleinmolekulare (d.h. chemisch kleine) Stoffe, damit auch Wasser, durchlässt und große zurückhält. Große Stoffe sind hier Blutzellen und Bluteiweiße. Im Gegensatz zur Blutwäsche (Hämodialyse) ist hier die trennende Membran nicht aus Kunststoff, sondern aus lebendem Gewebe. Es handelt sich um das Bauchfell, das Peritoneum. Dieses überzieht im Bauch des Menschen alle Organe und die Bauchdecke von innen mit einer dünnen, glatten, spiegelnden und gut durchbluteten Membran. Zusammengerechnet hat sie eine Oberfläche von 1,5 bis 2 Quadratmetern. Von dieser Fläche steht effektiv aber nur ca. 1 Quadratmeter zur Verfügung. Wenn man Wasser in den Bauch füllt, hat man das gleiche Prinzip vor sich wie bei der Hämodialyse: hier ist das Bauchfell die Membran, welche die Spüllösungsseite von der Blutseite trennt. Stoffe, die auf der Blutseite höher konzentriert sind, treten über das Peritoneum auf die Seite der geringeren Konzentration, also in die Spüllösung über, das nennt man Diffusion. Um auch Wasser zu entziehen, wird die Spüllösung mit Zucker angereichert. Dadurch entsteht eine hochkonzentrierte Lösung, Wasser tritt aus dem Blut über, um die Konzentration auszugleichen. Leider wandert auch gleichzeitig Zucker aus der Spüllösung in das Blut, was für Diabetiker nicht günstig ist und zur Gewichtszunahme führen kann. Als Alternativen gibt es inzwischen Spüllösungen, die Aminosäuren, das sind Eiweißbausteine, enthalten. Diese verursachen keine Gewichtszunahme und gleichen zusätzlich den Eiweißverlust bei der Peritonealdialyse (PD) aus.

Was ist für eine Peritonealdialyse nötig? Man muss durch die Bauchdecke, unterhalb des Bauchnabels, einen dünnen Kunststoffkatheter in den Bauchraum einführen, dessen Spitze dann am tiefsten Punkt, nämlich zwischen Blase und Dickdarm liegt. Meistens wird dieser kleine Eingriff in einer kurzen Narkose durchgeführt. Der Katheter heilt ein und wird außen mit einem kleinen Verband bedeckt. Voraussetzung für diese Dialyse ist, dass im Bauch keine größeren Operationen mit eventueller Bauchfellverwachsung vorgenommen wurden. Brüche der Bauchdecke, wie zum Beispiel Leistenbrüche, müssen saniert werden. Nach den technischen Vorbereitungen wird der Patient / die Patientin trainiert, um die Peritonealdialyse (abgekürzt: PD) selbständig zu Hause durchführen zu können. Der Ablauf der Behandlung kann sehr unterschiedlich aussehen. Man unterscheidet die CAPD, die kontinuierliche, ambulante Peritonealdialyse, die so genannte Beuteldialyse, von der APD, der automatisierten Peritonealdialyse (PD). Bei der CAPD wird die Flüssigkeit im Bauch alle vier Stunden ausgetauscht. Diese Beutelwechsel kann der Patient selbst an jedem sauberen Ort vornehmen. Bei der APD ist tagsüber kein Beutelwechsel notwendig. Den Flüssigkeitsaustausch übernimmt während der Nacht eine Maschine, die auch automatisch bilanziert. Es gibt Variationen bei beiden Verfahren; man kann bei sehr kranken oder alten Menschen auch dreimal in der Woche eine PD in einem einem Zentrum durchführen.
Wie die Hämodialyse hat auch die PD Vor- und Nachteile.

Vorteile der Peritonealdialyse: Die Patienten sind weitgehend von einem Zentrum unabhängig; deshalb ist die PD in Ländern mit großen Entfernungen zu den Behandlungszentren wie Kanada oder Mexico viel weiter verbreitet als in Europa. Das Verfahren ist sehr schonend, es gibt keine Kreislaufbelastung. Die Restfunktion der eigenen Nieren bleibt länger erhalten. Man braucht keine arteriovenöse Fistel, die das Herz belastet. Die Rate an Herz- und Kreislauferkrankungen ist in den ersten beiden Behandlungsjahren geringer als bei der Hämodialyse.

Welches sind die Nachteile? Das Hauptproblem ist die Gefahr einer Peritonitis, einer Bauchfellentzündung. Durch das Arbeiten am Katheter mit der Notwendigkeit, die Infusionsleitung der Spüllösung mit dem Katheter zu verbinden, ist immer die Möglichkeit eines Einschleppens von Keimen in die Bauchhöhle gegeben. Es sind mit Erfolg sehr effektive Techniken für diesen Vorgang entwickelt worden; trotzdem bleibt die Gefahr der Infektion groß. Eine beginnende Entzündung kann an der Trübung der Flüssigkeit, die aus dem Bauch abgelassen wird, sehr früh erkannt und sofort behandelt werden. Die Entgiftungsfähigkeit des Bauchfells nimmt mit den Jahren ab. Auch die Gewichtszunahme und die Appetitlosigkeit durch den Zuckergehalt der Spüllösung sind für viele Patienten ein Problem.

Hämo- oder Peritonaldialyse? Es scheint sinnvoll, die Verfahren miteinander zu kombinieren. Man kann zwei oder drei Jahre die Bauchfelldialyse anwenden, bis die Restfunktion der eigenen Nieren nachlässt und die Entgiftungsfunktion des Bauchfells geringer wird. Anschließend kann man mit Hämodialyse weiterbehandeln. Unabhängig von den medizinischen Gründen spielt die Entscheidung des Patienten/ der Patientin eine große Rolle.
Es gibt auch Erkrankungen, die eine PD vorteilhafter erscheinen lassen. Bei schweren Herz- und Kreislaufstörungen ist sie oft die einzige Alternative. Wenn ein Zugang zum Kreislaufsystem nicht mehr möglich ist, bleibt die PD neben der Transplantation die einzige Behandlungsmöglichkeit. Und wenn Flächenstaaten ihre nierenkranken Patienten preiswert versorgen wollen, ist die PD dafür gut geeignet.
In Deutschland wurden 2005 von insgesamt 63427 Dialysepatienten 3016 mit Peritonealdialyse behandelt, das sind knapp 5 Prozent.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Nephro-Glossar
Copyright © 2009 Dialyse im Alstertal