Phosphatbinder
(erstellt am: 03.02.2007 - letzte Änderung:03.05.2007 - aufgerufen: 1090 Mal)
Phosphor oder Phosphate, die Salze des Phosphors, sind lebensnotwendig. Zufuhr über den Magen-Darmtrakt, Ausscheidung über Nieren und Darm sowie Einlagerung in das Skelettsystem werden präzise geregelt. Unter anderem durch Vitamin D und Hormone wie das in der Nebenschilddrüse produzierte Parathormon. Dieses Stoffwechselgleichgewicht ist bei Nierenkranken empfindlich gestört; Vitamin D wird durch Fehlen von Nierengewebe nicht mehr ausreichend aktiviert, Calcium wird nicht mehr genug aufgenommen, die Nebenschilddrüse arbeitet zu stark und Phosphat wird nicht mehr ausreichend ausgeschieden.

Der zu hohe Phosphatspiegel im Blut und im Gewebe ist kein Schönheitsfehler, es bilden sich in verschiedenen Geweben, besonders auch in den Gefäßwänden, Calcium-Phosphatablagerungen. Eine ausreichende Entfernung von Phosphaten über die künstliche Niere ist nur mittels einer erheblichen Verlängerung der Dialysezeit zu erreichen, wie zum Beispiel bei der nächtlichen Langzeitdialyse, die dreimal oder sechsmal in der Woche stattfindet. Da diese Behandlungsform nicht für alle Patienten zur Verfügung steht, ist zusätzlich eine diätetische Einschränkung erforderlich. Diese betrifft leider besonders die wertvollen Nahrungsmittel, nämlich Fisch, Fleisch und Milchprodukte.

Um bei Nierenpatienten durch eine strenge Diät keine Fehlernährung zu verursachen, wie es früher durchaus vorgekommen ist, müssen die Betroffenen zu den besonders phosphatreichen Nahrungsbestandteilen so genannte Phosphatbinder zu sich nehmen. Diese enthalten zum Teil Salze, die im Magen und Darm aufgespalten werden und deren einer Teil sich mit dem Phosphat zu einer unlöslichen Form verbindet und mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Früher wurde hauptsächlich Aluminiumhydroxid verwendet, welches wegen einer möglichen Aluminiumvergiftung nicht harmlos ist. Heute benutzt man überwiegend Calciumsalze, zum Beispiel Calciumcarbonat. Bei diesen gibt es allerdings das Problem der zu starken Calciumaufnahme.
Modernere Phosphatbinder enthalten weder Calcium noch Aluminium. Anstelle des Calciums verwendet man einen Stoff namens Lanthan, der sich in geringen aber bislang unschädlichen Mengen im Knochen ablagert (Lanthancarbonat). Das zweite Medikament enthält keinen Stoff, der vom Darm aufgenommen werden könnte; er besteht aus einem Austauscherharz und bindet das in Nahrung enthaltene Phosphat (Sevelamer).

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Nephro-Glossar
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