Placeboeffekt
(erstellt am: 21.04.2007 - letzte Änderung:02.07.2007 - aufgerufen: 943 Mal)
Zusammenhang zwischen Therapietreue und Sterblichkeit

Es ist nicht erstaunlich, dass eine ausgeprägte Therapietreue (Compliance) zu guten Behandlungsergebnissen führt. Therapietreue bedeutet Zuverlässigkeit in Befolgung von Therapieanweisungen wie Tabletteneinnahme, Durchführung von Anwendungen oder auch Einhaltung von Diätanweisungen. Erstaunlich ist aber, dass dieser Effekt in Studien auch im so genannten Placeboarm nachzuweisen ist.

Studien macht man, um herauszufinden, ob eine Therapie wirkt, ob sie Nebenwirkungen hat und welche Dosis man benötigt, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Zum Vergleich bildet man eine Kontrollgruppe, die entweder ein Vergleichspräparat mit ähnlicher Wirkung oder ein Scheinmedikament (Placebo) einnimmt.

Im Deutschen Ärzteblatt Jg. 104, Heft 15, 13. April 2007, wird über eine Untersuchung kanadischer Autoren berichtet (aus dem BMJ 2006; 333; 15;). Sie haben 21 Veröffentlichungen zu einer Metastudie zusammengefaßt, um die Auswirkung der Therapietreue auf die Studienergebnisse im Placeboarm zu untersuchen. In den einbezogenen Studien wurden 46.847 Patienten erfaßt. Es ging um die Arzneibehandlung nach Herzmuskelinfarkt, Behandlung von HIV-Patienten, medikamentöse Vorbeugung von Herz- und Kreislaufkrankheiten sowie Diabetes mellitus Typ 2 und Erhöhung des Cholesterinspiegels. Weiterhin um Behandlung der Herzmuskelschwäche und Immunsuppression (Vermeidung von Abstoßungsreaktionen) nach einer Organtransplantation.

Es wurden nur die Placebogruppen von 8 Studien mit 19 633 Patienten ausgewertet. Die Teilnehmer mit guter Therapietreue hatten im Vergleich mit den Patienten, die ihre Medikamente nicht zuverlässig eingenommen hatten, ein um 44% niedrigeres Risiko zu sterben. Wohlgemerkt: es ging um Patienten, die ein Scheinmedikament eingenommen hatten!

Die Autoren schließen, dass Patienten mit einer ausgeprägten Therapietreue auch allgemein ein stärker entwickeltes Gesundheitsverhalten haben. Die Unterstützung eines gesundheitsbewussten Verhaltens ist also mindestens ebenso wichtig wie die Verordnung von Medikamenten.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Heft 15, 13.04.2007

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