Raucherentwöhnung
(erstellt am: 17.12.2008 - letzte Änderung:09.01.2009 - aufgerufen: 982 Mal)
Das Problem: Man schätzt, dass weltweit ca. 5 Millionen Menschen vorzeitig sterben, weil sie rauchen. In den USA ist das Rauchen die hauptsächliche, vermeidbare Krankheitsursache, hier sterben geschätzt etwa 400.000 Menschen pro Jahr durch Zigarettenrauchen. Dazu kommen die durchs Rauchen verursachten Erkrankungen wie *Arteriosklerose, Lungenkrebs, chronische Bronchitis und Asthma.

Die Therapie: Man kann das Problem mittels einer Verhaltenstherapie und/ oder medikamentös mit Nikotinersatz in Form von Pflastern, Spray, Lutschpastillen, zum Inhalieren oder als Kaugummi sowie mit Bupropion, einem *Antidepressivum, angehen. Auf jeden Fall müssen Therapeuten das Problem sehr ernst nehmen. Rauchen löst ähnliche Vorgänge im Gehirn aus wie zum Beispiel Heroin, ist also tatsächlich nicht nur eine schlechte Angewohnheit, sondern eine Sucht. Es hat fatale Folgen, s.o., und es hat eine enorme Rückfallquote von 80 Prozent. Auch Akupunktur und Hypnose sind versucht worden, beide Methoden waren erfolglos.

Entzugssymptome: Die Entzugssymptome sind: depressive Stimmung oder Verstimmung, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Frustrationsgefühl, Ärger, Ängstlichkeit, Konzentrationsstörung, Unruhe, verminderte Herzfrequenz, Appetitsteigerung, Gewichtszunahme. Deswegen wird oft eine Nikotinersatzbehandlung mit Psychotherapie kombiniert.

Therapieerfolg: Die Erfolgsrate einer Kombination aus Verhaltenstherapie und Nikotinpflaster nach drei Jahren lag in einer Studie bei 14 Prozent. Es werden aber auch Abstinenzraten von bis zu 20 Prozent beschrieben, besonders wenn die Patienten eine intensive, langdauernde Beratung bekommen.

Auch eine längerdauernde Nikotinersatzbehandlung scheint nicht schädlich zu sein: In einer Studie mit 584 Patienten, die an einer *Koronarsklerose litten, war bezüglich des Auftretens von Herzinfarkten, Herzstillstand, Tod und Krankenhausaufenthalt wegen Rhythmusstörungen, Herzschmerzen und Herzmuskelversagen kein Unterschied zur Kontrollgruppe ohne Nikotin feststellbar. Die Studie dauerte 14 Wochen. Eine Kombination des Nikotinersatzes mit Rauchen wird nicht empfohlen.

Eine Therapie mit Bupropion scheint erfolgreicher zu sein als der Nikotinersatz. In einer Untersuchung mit 615 Rauchern waren nach einem Jahr noch 23 Prozent rückfallfrei. Die Substanz wird seit 20 Jahren als Mittel gegen Depressionen eingesetzt. Wenn man Bupropion mit Nikotinersatz kombiniert, lassen sich Erfolgsraten von bis zu 35 Prozent nach einem Jahr erzielen. Eine Langzeitbehandlung mit Bupropion scheint noch erfolgreicher zu sein. Die Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, trockener Mund, Schlafstörungen und in seltenen Fällen Krampfanfälle.

Vareniclin: Seit dem März 2007 gibt es für Raucher, die aufhören wollen, eine zusätzliche medikamentöse Hilfe: einen so genannten *Nikotinantagonisten. Die Substanz heißt Vareniclin und wird unter dem Namen Champix verkauft. Die Wirkung besteht in einer Verminderung des Rauchverlangens und der Entzugssymptome. Die Darreichungsform ist eine weiße bzw. hellblaue Tablette mit entweder 0,5 oder 1 *mg Wirkstoff. Der Stoff wurde aus einer Wirksubstanz des Goldregens entwickelt. Die Wirkung beruht darauf, dass V. sich an den Nikotinrezeptor heftet, ihn damit teilweise stimuliert und somit, ähnlich wie durch Nikotin, im Gehirn das „glücklich machende“ Dopamin“ ausgeschüttet wird. Gleichzeitig wird durch V. der Rezeptor für zusätzlich inhaliertes Nikotin blockiert. Die Erfolge von Vareniclin waren im Vergleich zu den bislang verwendeten Medikamenten wie zum Beispiel *Bupropion oder Nikotinpflaster deutlich besser. Jetzt hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in einer *„Drug Safety Mail“ auf *neurologische und *psychiatrische Symptome von Vareniclin hingewiesen. Bisher waren als Nebenwirkungen Übelkeit und abnorme Träume bekannt. Zunehmend wurde jetzt über Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche, aggressives und unberechenbares Verhalten, Depressionen und depressive Verstimmung berichtet. Auch bei Patienten ohne seelische Vorerkrankung oder Auffälligkeit wurde *suizidales Verhalten beschrieben. In den USA hat man die Berichte über Vareniclin - Nebenwirkungen analysiert: Auffällig war eine Häufung von Stürzen und Verkehrsunfällen infolge Bewußtlosigkeit, Schwindelanfällen oder Verwirrtheit. Piloten wurde daraufhin die Einnahme von V. untersagt.

Folgende Empfehlungen für die Behandlung mit Vareniclin werden ausgesprochen:
  • Patienten, die mit V. behandelt werden, sollen über die o.g. Nebenwirkungen aufgeklärt werden.

  • Treten unter V. Verhaltensauffälligkeiten oder depressive Verstimmungen auf, muss die Substanz sofort abgesetzt werden. .

  • Eine Verordnung von V. bei Menschen mit psychiatrischen Krankheiten in der Vorgeschichte sollte nur nach sorgfältiger Risikoabwägung erfolgen. .

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Glossar

*Drug Safety MailArznei – Sicherheitsbrief
*neurologischdie Nerven betreffend
*psychiatrischGeisteskrankheiten und seelische Störungen betreffend
*Bupropionein Mittel gegen Depressionen
*ArterioskleroseGefäßverkalkung
*AntidepressivumMittel gegen Depressionen
*Koronarskleroseeinengende und verschließende Erkrankung der Herzkranzadern
*AntagonistGegenspieler
*mg Milligramm = Tausendstel Gramm
*suizidal Selbstmord betreffend
Quellen: Arzneimittel – Therapie – Kritik, 4. Quartal 08
UpToDate
Wikipedia

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