RFIDs Funketiketten in der Medizin?
(erstellt am: 24.07.2008 - letzte Änderung:25.07.2008 - aufgerufen: 760 Mal)
Einführung: Der medizinische Fortschritt ist durch modernste Technik besonders geprägt. Man denke zum Beispiel an Computer- oder Kernspintomografen. Nicht zuletzt deswegen wird oft geklagt über ein Zuviel an Technik in der ärztlichen und pflegerischen Tätigkeit und über die Entwicklung einer „seelenlosen“ Medizin. Es ist nicht zu leugnen, dass diese Gefahr besteht. Ebenso richtig ist aber auch, dass inzwischen viele Menschen ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben dieser technischen Medizin verdanken.

Anwendung: Aus unserem Alltag sind sogenannte RFIDs nicht mehr wegzudenken. RFID heißt „Radio Frequency Identification“, also Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen. In Leihbüchereien werden die Bücher auf diese Weise gesichert, es gibt beim Passieren der Tür einen Alarm bei nicht ordnungsgemäßer Entleihe. Man findet sie fast überall: in Skipässen und in Tankkarten, bei Zutrittskontrollen und beim bargeldlosen Bezahlen, seit 2005 in deutschen Reisepässen, in den Eintrittskarten bei der Fußballweltmeisterschaft, in Geldscheinen, in Nummernschildern, in Mautstationen oder in Hotelschlüsseln.

Nicht zuletzt werden die besten Freunde des Menschen, Hund und Katze, damit gekennzeichnet. Es gibt sehr kleine RFIDs, die man wie einen Impfstoff unter die Haut schießen kann. Es soll schon Menschen geben, die sich auf diese Weise erkennbar gemacht haben. RFIDs bereiten den Datenschützern Kopfschmerzen, weil ihre Funktion vom Menschen nicht bemerkt wird.

Beschreibung: Zugrunde liegt ein von einem Sender (der zum Beispiel am Ausgang des Geschäftes angebracht ist) ausgestrahltes elektromagnetisches Feld, welches in dem RFID einen kleinen Strom erzeugt. Dieser versetzt das RFID in die Lage, selbst Wellen auszusenden, die das empfangene Signal in einer bestimmten Weise verändern und dann einen Alarm verursachen. Man kann in einem Chip des RFID auch Informationen speichern, zum Beispiel den Namen, die Anschrift und die Telefonnummer der Besitzer von Bello oder Minka oder medizinische Daten in einem Patientenarmband. In den USA gibt es solche Armbänder schon.

Studie: Im renommierten JAMA, einer amerikanischen medizinischen Zeitschrift, erschien vor kurzem ein Beitrag über die Anwendung von RFIDs auf Intensivstationen. Denkbar ist eine Kennzeichnung von Blutkonserven, von Geräten oder auch von Patienten (s.o.). Ein Team der Freien Universität Amsterdam hat untersucht, wie sich RFIDs auf medizinische Geräte auswirken. Bei 123 Tests mit 41 Geräten auf einer (nicht belegten) Intensivstation wurden 34 Störfälle gezählt. 22 dieser Ereignisse wurden als schwerwiegend und gefährlich gewertet, zwei waren bedeutsam, zehn waren leicht: Schrittmacher, Infusionspumpen und Dialysemaschinen fielen entweder ganz aus oder wurden in ihrer Funktion gestört. Ein Gerät zur Überwachung der Herztätigkeit zeigte eine Rhythmusstörung an, an einem Beatmungsgerät wurde die Zahl der Atemzüge pro Minute verändert. Die Entfernung zwischen RFID und Gerät lag im Mittel bei 30 Zentimetern.

Wahrscheinlich wird es eine technische Entwicklung geben, die die Anwendung von RFIDs sicherer macht. Zur Zeit sind sie in diesem Bereich nicht zu empfehlen.

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Quelle: c’t 2008, Heft 16
JAMA.ama-assn.org
Wikipedia
Der Brockhaus Multimedial

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