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| Rückenschmerzen | ||
| (erstellt am: 05.02.2009 - letzte Änderung:05.02.2009 - aufgerufen: 798 Mal) | ||
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Rückenschmerzen, Rückenbeschwerden, Kreuzschmerzen, Hexenschuß, Lumbago: so lauten die häufigsten Diagnosen, derentwegen die Deutschen einen Arzt aufsuchen. Man schätzt, dass circa 23 Prozent der deutschen Bevölkerung unter Rückenproblemen leiden. Pro Patient kostet eine solche Erkrankung 7.116 Euro im Jahr. Die meisten Kosten werden durch Arbeitsunfähigkeit und Renten verursacht. Auch in der Rehabilitationsmedizin sind Rückenschmerzen die teuerste Erkrankung. Im Jahr 2002 wurden für Behandlung, Rehabilitation und Renten von Rückenproblemen 30 Milliarden DM ausgegeben. Die Ursachen solcher Beschwerden sind vielfältig:
Therapie: So schwierig es ist, eine klare Diagnose zu stellen, so schwierig ist es auch, eine passende, effektive Behandlungsart zu finden. Ausgeschlossen werden muss zu Beginn mittels Röntgen oder Kernspintomographie eine ernsthafte Erkrankung der Wirbelsäule wie Bandscheibenvorfall mit Nervenschädigung, Tumoren oder Entzündungen. So vielfältig wie die möglichen Ursachen sind auch die Therapieformen. Diese reichen von Schmerzmitteln in Tablettenform oder als Injektion über örtliche Injektionen, physikalische Maßnahmen wie Massagen und Physiotherapie bis hin zur Akupunktur oder Psychotherapie. Dazu kommen Bettruhe, Tragen von Korsetts oder Bandagen, Wärme- und Kälteanwendungen, Bäder unterschiedlichster Art, Elektrotherapie, Bestrahlungen oder elektrische Nervenstimulation. Auch die Chirotherapie, das Einrenken, wird noch häufig angewendet. Wärmeanwendung hat sich im Vergleich wirksamer erwiesen als ein Plazebo (Scheinmedikament, siehe dort). Alle diese Behandlungsmöglichkeiten sind wissenschaftlich untersucht worden, die meisten waren nicht nachprüfbar wirksam. Oft helfen sie, wie Chirotherapie und Massagen, nur im Zusammenhang mit anderen Behandlungen wie Bewegungstherapie. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass eine frühzeitige Aufnahme, Beibehaltung oder auch Wiederaufnahme der Aktivität sehr wichtig ist. Im direkten Vergleich waren Patienten, die Bettruhe eingehalten hatten, nicht eher beschwerdefrei als jene, die früh mit Krankengymnastik, Bewegung und Aktivität begonnen hatten. Wirksame Therapien: Am effektivsten ist die Rückenschule. Hier wird man unterwiesen, wie man sich im Alltag schmerzarm bewegt, wie man die Muskulatur kräftigt, wie Schmerzen vermieden werden können, ohne dass, und das ist sehr wichtig, eine körperliche und geistige Schon- und Vermeidungshaltung entsteht. Besonders in Kombination mit einer Bewegungsbehandlung ist die Rückenschule allen anderen Behandlungsarten überlegen. Sie ist die erste Wahl bei chronischen Kreuzschmerzen und läßt sich gut kombinieren mit einer Verhaltenstherapie. Damit kann man eine Steigerung der Kontrollfähigkeit und des Kompetenzgefühls erreichen. Der Patient ist seiner Krankheit, seinen Beschwerden und Schmerzen nicht hilflos ausgeliefert. Er vermeidet ein auf Ruhe und Schonung, eventuell später auf Erhalt einer Rente ausgerichtetes Verhalten. Diese Kombination verschiedener Therapieformen kann nicht Schmerzfreiheit garantieren, aber sie verbessert die Fähigkeit zur Schmerzbewältigung und den Umgang mit einem oft chronisch verlaufenden Leiden. Wichtig ist eine umfassende und verständliche Information über Ursachen, Bedeutung und wahrscheinlichen Verlauf der Erkrankung. Entscheidend ist es, so genannte psycho-soziale Belastungen als Ursache der Symptomatik frühzeitig zu erkennen (ständiger Druck vom Vorgesetzten mit der Möglichkeit des Arbeitsplatzverlustes kann Rückenschmerzen verursachen). Solchen Stress kann man zwar meistens nicht ohne weiteres beseitigen, aber dessen Auswirkungen können über sportliche Aktivität und krankengymnastisches Training positiv beeinflusst werden. Das Erlangen und die Perfektion körperlicher Fähigkeiten können sogar zu positiven Veränderungen im Verhalten führen. Immerhin sind 90 Prozent aller Betroffenen nach 6 Wochen wieder in der Lage, zu arbeiten; allerdings hat dann noch etwa die Hälfte Beschwerden und ebenfalls ungefähr 50 Prozent erleiden einen oder mehrere Rückfälle. Vorübergehend und zur Unterstützung können (und müssen häufig) Schmerzmittel gegeben werden. Hier hat man die Auswahl zwischen einem leichten Mittel, zum Beispiel Paracetamol, mit begrenzter Wirkung, aber guter Verträglichkeit, wenn man sich an die Dosierungsvorschrift hält und stärker wirkenden Substanzen wie: Rheumamittel mit guter Schmerzlinderung und Entzündungshemmung, die nicht unerhebliche Nebenwirkungen auf Herz, Magen und Nieren haben können sowie Opioide (in der Wirkung den Morphinen ähnliche Präparate). Auch die Operation hat, wenn ein Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelreizung nachgewiesen wurde und die o.g. Therapien nicht wirksam sind, ihren Stellenwert. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
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Quellen: Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 106, Heft 3, 16. Januar 2009 Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. In Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) und der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) | ||
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