| Fehler im Beitrag? Beitrag aktualisieren? | ||
| | ||
| Schlaganfall | ||
| (erstellt am: 16.02.2007 - letzte Änderung:03.05.2007 - aufgerufen: 911 Mal) | ||
|
„Ihn hat der Schlag getroffen“, ist auch heute noch eine gängige Bezeichnung, wenn jemand einen Schlaganfall / Apoplex erlitten hat. Die Bezeichnung weist auf die Plötzlichkeit und Heftigkeit des Geschehens hin. Was geschieht? Schlagartig wird die Blutversorgung eines unterschiedlich großen Hirnareals unterbrochen. Das Gehirn wird über vier Schlagadern mit Blut versorgt. Sie entspringen aus der großen, von der linken Herzkammer kommenden Hauptschlagader, der Aorta. Die zwei größeren verlaufen vorn im Hals. Sie sind beiderseits des Kehlkopfes leicht zu tasten. Zwei kleinere ziehen von der hinteren Halsseite in den Schädel. Diese Gefäße können sich gegenseitig bei Ausfall „vertreten“. Das Versagen einer Ader darf aber nur langsam eintreten. Innerhalb des Gehirns gibt es Schlagadern, die für „ihr Versorgungsgebiet“ ganz allein zuständig sind. Wenn diese ausfallen, ist eine Ersatzversorgung über andere Adern nicht möglich. Bei einem Schlaganfall wird eine kleine oder größere Ader entweder durch eine Thrombose oder durch eine Embolie verschlossen. Seltener kommt es zu einem Leck der Aderwand mit einer Blutung in die Gehirnsubstanz mit Zerstörung der empfindlichen Nervenstrukturen. Eine Aderwand ist normalerweise völlig glatt. Bei einer Gefäßverkalkung, einer Arteriosklerose, entstehen jedoch Unregelmäßigkeiten und Rauigkeiten und manchmal bilden sich Geschwüre durch entzündliche Fettablagerungen. Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, welches sich an diesen Rauigkeiten bildet, sich vergrößert und letztlich das Gefäß verschließt. Eine Embolie ist ebenfalls ein Teil einer Thrombose, die sich aber an anderer Stelle, zum Beispiel in der linken Herzkammer gebildet und dort losgerissen hat. An der engsten Stelle des Hirngefäßes oder in einem anderen Organ bleibt sie stecken, verursacht einen Verschluss und damit einen Organinfarkt, in diesem Fall einen Hirninfarkt oder Schlaganfall. Da eine Schädigung aller Gehirnregionen möglich ist, kann auch jede Hirnfunktion ausfallen oder mehr oder weniger gestört sein. Am häufigsten sieht man Lähmungen der Muskulatur und eine Störung der Empfindungsfähigkeit auf der dem Schlaganfall gegenüberliegenden Körperseite; diese Ausfälle können komplett sein, also eine vollständige Unbeweglichkeit des Armes und des Beines bedeuten, oder sie sind nur teilweise ausgeprägt und äußern sich vielleicht nur in einer leichten Geh- oder Greifschwäche mit Verminderung der Sensibilität. Eine Gliedmaßenlähmung kann kombiniert sein mit einer Sprachstörung, ebenfalls vollständig oder teilweise. Das Sehen kann bis zur Blindheit eingeschränkt sein. Es gibt eine Schreib- oder Lesestörung, eine Verständnisstörung, eine Einschränkung des Gleichgewichtes oder eine Hörminderung. Das Gedächtnis kann Ausfälle zeigen. Der Charakter kann sich ändern. In ganz schlimmen Fällen kann eine Lähmung aller vier Extremitäten mit Bewusstlosigkeit eintreten. Es gibt bizarre Störungen, so wird eine Unfähigkeit beschrieben, eine ganze Körperhälfte überhaupt wahrzunehmen; beobachtet werden auch Persönlichkeitsstörungen oder ein Morbus Parkinson, eine Schüttellähmung. Wer bekommt einen Schlaganfall? Es gibt eindeutige Risikofaktoren:
Wie viele Menschen sind betroffen? In Deutschland erleiden 180.000 bis 200.000 Menschen im Jahr einen Schlaganfall, die Zahlen steigen, weil die Risikofaktoren häufiger auftreten. Die Menschen werden weiterhin älter und bei guter Ernährung und mangelnder Bewegung nimmt das Gewicht zu, ein wesentlicher Faktor für die Entstehung einer Zuckerkrankheit. Dies betrifft auch schon sehr junge Menschen. Immerhin werden 15% aller Schlaganfälle bei Menschen zwischen 18 und 55 Jahren diagnostiziert. Bei Jüngeren ist die Ursache seltener eine Gefäßverkalkung, hier sind es eher Stoffwechselstörungen und Gefäßmissbildungen. Was kann man tun? Natürlich muss die Antwort lauten:
Wie behandelt man einen Schlaganfall? Seit einigen Jahren gibt es „stroke units", also Spezialabteilungen für die Behandlung der akuten Hirndurchblutungsstörung. Mit moderner Diagnostik, Kernspintomographie, Computertomographie, Sonographie der Hirngefäße, lässt sich feststellen, was die Ursache der Durchblutungsstörung ist und eine entsprechende Behandlung einleiten. Zum Beispiel kann man bei einer Thrombose eine Infusion mit einem das Gerinnsel auflösenden Medikament anwenden. Da diese Therapie fast nur in den ersten drei Stunden nach Beginn des Schlaganfalls wirksam ist, muss der Patient sofort bei Verdacht auf Hirndurchblutungsstörung in die Klinik. Das größte Problem in derAkutbehandlung ist die Frage, welche Ausichten der betroffenen Mensch hat und wie intensiv oder wie lange man behandeln soll. Eine maximale Therapie kann das Leben retten und die Auswirkungen, die Behinderungen auf ein Minimum begrenzen. Sie kann aber auch zu Folge haben, dass ein Mensch den Schlaganfall mit schwersten Behinderungen überlebt. Wie sind die Aussichten? Unverändert ist die Erkrankung Schlaganfall die häufigste Ursache für Behinderung im Alter. Ein knappes Drittel aller Betroffenen leidet nach dem Ereignis unter bleibenden Hirnfunktionsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes. 15 Prozent der Erkrankten sterben innerhalb der ersten drei Monate direkt oder indirekt am Schlaganfall. Etwa ein Drittel verlässt die Klinik ohne bleibende Schäden. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
Nephro-Glossar Copyright © 2009 Dialyse im Alstertal | ||
| per Email versenden | ||
