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| Sepsis | ||
| (erstellt am: 25.10.2007 - letzte Änderung:25.10.2007 - aufgerufen: 1626 Mal) | ||
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Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Fäulnis“. Der Begriff wird für Infektionen benutzt, die sich über eine örtliche Ausdehnung hinaus über die Blutbahnen, die Schlagadern und die Venen, oder über Lymphbahnen in den ganzen Körper ausbreiten. Es entsteht eine generalisierte Infektion, der Laie spricht von einer Blutvergiftung. Die o.g. örtliche Infektion kann in den Mandeln lokalisiert sein, sie kann die Ursache einer Gallenblasen- oder Mittelohrentzündung sein, sie kann als Wundinfektion, Nabelschnurentzündung oder Kindbettfieber auftreten. Eine der häufigsten Infektionsquellen, besonders bei Dialysepatienten, ist ein für die Dialyse notwendiger venöser Katheter oder eine arterio-venöse Fistel, ein sogenannter Shunt. Patienten auf einer Intensivstation, die fast regelmäßig für die Infusionstherapie einen venösen Dauerkatheter benötigen, sind ebenfalls stark gefährdet. Wie kommen die Bakterien ins Blut? Normalerweise ist die örtliche, in den Organen und Geweben lokalisierte Abwehr sehr potent und wird mit den meisten Keimen fertig. Bei Abwehrschwäche infolge einer anderen schweren Erkrankung, eines Diabetes mellitus oder einer die Abwehr schwächenden Therapie kommt es über Lymphbahnen oder über thrombosierte Venen zum Durchbruch in die Blutbahn. Geht die Entzündung von einem Katheter oder einer Fistel (Shunt) aus, gelangen die Bakterien ohne Umweg über das Gewebe ins Blut. Welche Bakterien sind die häufigsten Erreger? Bei den Katheter- und Fistelinfektionen der Dialysepatienten sind es überwiegend Hautkeime, insbesondere die Staphylokokken, die die Infektion verursachen. Seltener sind Darmkeime, Streptokokken oder Pneumokokken, die Erreger von Lungenentzündungen nachzuweisen. Ein besonderes Problem ist der MRSA, eine Untergruppe der Staphylokokken, der Methicillinresistente Staphylokokkus aureus (siehe dort). Welche sind die Zeichen einer Sepsis? Eine Sepsis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Eine leichtere Form zu Beginn der Infektion kann sich in Fieber, Schüttelfrost, niedrigem Blutdruck, Übelkeit, schlechtem Allgemeinbefinden, schnellem Herschlag, über 90 / min, beschleunigter Atmung und Anstieg der weißen Blutkörperchen äußern. Es kann auch eine zu niedrige Körpertemperatur auftreten. Schwere Sepsisformen sind äußerst bedrohlich, verursachen oft massive Gerinnungsstörungen und ein Versagen vieler Organe; sie müssen immer auf einer Intensivstation behandelt werden und haben eine schlechte Prognose. Der zeitliche Verlauf kann ebenfalls sehr unterschiedlich sein. Es gibt akute Formen, die über Tage gehen, es gibt hoch akute Formen, die sich in wenigen Stunden entwickeln. Dann wiederum kann der Verlauf sich mit leichter Temperaturerhöhung, Entwicklung einer Blutarmut und schlechtem Befinden über Wochen und Monate hinziehen. Die Diagnose kann dann sehr schwierig sein. Ausgehend von der Einschwemmung der Bakterien ins Blut können weitere Organe befallen werden: Herzinnenhautentzündung mit Befall der Herzklappen sowie Knochen- und Gelenkentzündungen können die Folge sein. Ein frühes Erkennen und eine rasche Behandlung sind also sehr wichtig. Wie sichert man die Diagnose? Die oben aufgezählten Zeichen passen auch zu anderen Erkrankungen, wichtig für den Nachweis einer „Blutvergiftung“ ist der Nachweis von Bakterien im Blut über die Blutkultur. Entwickelt ein Dialysepatient Fieber unklarer Ursache, werden sofort mehrere Blutkulturen abgenommen. Wenn die Eintrittsstelle des Katheters in die Haut verdächtig erscheint, macht man hier einen Abstrich. Die Therapie Ohne das Ergebnis der Blutkulturen abzuwarten, beginnt man sofort mit einer intravenösen antibiotischen Behandlung. Als Standardantibiotika haben sich Vancomycin und Cefazolin bewährt, diese Therapie kann entsprechend dem Ergebnis der Kultur geändert werden. Ob man bei einer wahrscheinlich von einem Katheter ausgehenden Sepsis diesen sofort entfernen muss, ist eine schwierige und umstrittene Frage. Wenn gleichzeitig die Katheteraustrittsstelle vereitert ist, sollte man ihn entfernen und einen Neuen legen. Statistiken zeigen, dass letztlich, wenn man den Katheter erst einmal belässt, etwa dreißig Prozent aller Katheter „gerettet“ werden können. Sechzig Prozent müssen wegen erneuten Aufflammens der Infektion entfernt werden. Kann man Infektionen verhindern? Es gab und gibt viele Versuche, eine Katheterinfektion oder eine Fistelsepsis zu vermeiden. Man kann nachsehen, ob jemand eine Dauerbesiedlung seiner Nasenschleimhaut mit Staphylokokken hat und dann mit örtlicher Salbenanwendung oder mit Antibiotika eine Sanierung versuchen. Diese Maßnahmen sind wirkungsvoll, aber es entwickeln sich resistente Bakterien. Man hat versucht, silberbeschichtete Katheter zu benutzen, Silber tötet Bakterien, das war erfolglos. Eine Versorgung der Eintrittsstelle mit Bakterien tötenden Salben oder Desinfektionsmitteln ist ebenfalls erfolgreich, die Zahl der Blutvergiftungen sinkt, aber auch hier gibt es das Problem der Resistenzbildung. Es wurden die Katheter mit antibiotikahaltigen oder desinfizierenden Lösungen gefüllt, auch dadurch lässt sich die Infektionsrate senken. Die beste Möglichkeit, Katheterprobleme zu vermeiden, besteht darin, einen richtigen Dialyseshunt anzulegen, wenn die Armgefäße gut ausgebildet sind. Leider kommen noch immer viele nierenkranke Patienten im Spätstadium akut ins Krankenhaus, weil sie vorher nicht einem Nephrologen vorgestellt wurden. Dann bleibt aus Zeitgründen nur die Dialyse über einen Katheter, der dann oft für längere Zeit liegen bleibt, auch wenn eine Fistelanlage möglich wäre. Die zweite wichtige Maßnahme zur Vermeidung von Infektionen ist der sterile Umgang mit dem Katheter beim Beginn und beim Beenden der Dialyse. Hier gehen allerdings die Meinungen, was gut und notwendig ist, weit auseinander. Nicht zu vergessen ist eine gute Dialysebehandlung, weil nur so die Abwehrkraft der Patienten gestärkt werden kann. Dazu gehören eine ausreichende „Dialysedosis“, also Dialysezeit, eine Behandlung der Blutarmut mit genügend Erythropoietin und Eisen, eventuell auch mit Vitaminen. Eine Überladung mit Eisen hat sich als schädlich erwiesen, dann steigt die Rate der Infektionen. Eine Behandlung der Knochenerkrankung und eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D, wenn ein Mangel vorliegt, beeinflussen ebenfalls die Zahl der Infektionen. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
| Quelle: UpToDate ( www.uptodate.com ) | ||
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