Stents
(erstellt am: 24.05.2007 - letzte Änderung:02.07.2007 - aufgerufen: 974 Mal)
Stents mit und ohne Medikamentenfreisetzung

Vorbemerkung
Verengungen der Schlagadern, die das Herz mit Blut versorgen (Koronararterien werden schon seit Jahren mit einer so genannten Ballondilatation behandelt, d.h. man schiebt einen dünnen Kunststoffkatheter über eine Leistenschlagader bis in die Herzarterien. In dessen Ende ist ein aufblasbarer kleiner Ballon eingearbeitet. An der Verengung wird der Ballon mit hohem Druck aufgedehnt, aber nur bis auf den Durchmesser der Ader. Der unmittelbare Behandlungserfolg ist sehr gut, allerdings kommt es in einem hohen Prozentsatz der Eingriffe zu einer erneuten Verengung an dieser Stelle. Deshalb ist man seit einigen Jahren dazu übergegangen, an der aufgedehnten Stelle ein Drahtgeflecht zu platzieren, welches eine erneute Verengung durch elastisches "Zusammenschnurren" der Ader erfolgreich verhindert.

Damit konnte der Therapieerfolg erheblich verbessert werden, jedoch kommt es auch im Bereich des Drahtgeflechtes (Stent) durch die Verletzung der Aderninnenschicht zu einer Wucherung derselben, welche eine Verengung im Stent verursacht (In Stent-Stenose). Es gibt mehere Lösungen:

  1. Erneute Erweiterung mit einem Ballon. Mit dieser Methode ist der Erfolg nur kurzfristig gesichert.

  2. Erweiterung mit einem Stent im Stent, hier ist das Risiko einer Verengung noch größer.
  3. Erweiterung mit nachfolgender örtlicher Bestrahlung der verengten Stelle. Die Studienergebnisse sind sehr gut, jedoch gibt es noch keine Langzeitergebnisse.
  4. Anwendung von Stents, deren Oberfläche mit einer Substanz beschichtet ist, die in die Adernwand abgegeben wird und hier eine Wucherung verhindert. Solche Substanzen werden in der Transplantationsmedizin benutzt, um Abstossungen zu verhindern (z.B. Sirolimus=Rapamune®) oder in der Krebsbehandlung als Chemotherapie (z.B. Paclitaxel=Taxol®)

Bericht
Jetzt gibt es eine Studie mit 300 Patienten, welche die Ergebnisse der Behandlung einer erneuten Adernverengung in einem Stent untersucht. Es wurden drei Patientengruppen gebildet:
  • Eine Gruppe wurde nur mit einer Ballonerweiterung behandelt.
  • In der zweiten Gruppe wurde die Verengung erweitert und dann mit einem Stent, der mit Sirolimus (Rapamune®) beschichtet war, offengehalten.
  • In der dritten Gruppe wurden ebenfalls beschichtete Stents verwendet, die aber mit Paclitaxel (Taxol®) imprägniert waren.

Es wurden die Ergebnisse in Bezug auf eine erneute Verengung nach 6 Monaten verglichen, und zwar zwischen der "Ballongruppe" und den Gruppen mit beschichteten Stents und zwischen den "Stentgruppen" untereinander. In der "Ballongruppe" kam es bei 44,6% der Patienten zu einer erneuten Verengung, in der "Sirolimus-Gruppe" bei 14,3% und in der "Paclitaxel-Gruppe" in 21,7%. In der Ballongruppe musste bei 33% der Patienten ein erneuter Eingriff durchgeführt werden, in der Sirolimusgruppe bei 8% und der Paclitaxelgruppe bei 19%.

Ergebnis:
Die statistische Auswertung zeigt, daß eine Behandlung mit beschichteten Stents eindeutig bessere Therapie-Ergebnisse zeigt als eine mit reiner Ballondilatation. Die Verfasser der Studie nehmen an, dass mit Sirolimus beschichtete Stents besser sind als mit Paclitaxel beschichtete. (Die o.a. Prozentzahlen zeigen zwar einen Trend für Sirolimus-Stents an, aber besitzen statistisch keine klare Überlegenheit über den Paclitaxel-Stent, A.d.V.).

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Nephro-Glossar
Copyright © 2009 Dialyse im Alstertal