Vitamine
(erstellt am: 15.03.2008 - letzte Änderung:23.03.2008 - aufgerufen: 968 Mal)
Definition: Vitamine sind organische Verbindungen (chemische Verbindungen aus der belebten Natur), die der Körper im Stoffwechsel notwendig braucht und selbst nicht oder nicht ausreichend herstellen kann. Es werden zum Teil extrem winzige Mengen gebraucht, bis zu wenigen Millionstel Gramm = Mikrogramm (µ) pro Tag. Trotzdem kommt es bei einem Mangel zu schweren, spezifischen Krankheitserscheinungen.

Grundsätzlich unterscheidet man, abhängig von der chemischen Zusammensetzung und der Löslichkeit, wasserlösliche und fettlösliche Vitamine. Die wasserlöslichen werden, da Wasser das Hauptlösungsmittel des Körpers ist, leicht transportiert und bei Überdosierung über die Nieren wieder ausgeschieden. Die fettlöslichen können in größeren Mengen im Körperfett abgelagert und gespeichert werden. Das hat den Vorteil, dass man Reserven für vitaminarme Zeiten hat, kann aber auch zu Überdosierung und Vergiftung führen. Die meisten fettlöslichen Vitamine benötigen Fette/ Öle zur Aufnahme über die Darmschleimhaut, zusätzlich ist die normale Funktion von Gallenblase und Bauchspeicheldrüse erforderlich, die beide für die Fettaufnahme sehr wichtig sind.
Ein Vitaminmangel kann auch bei ausreichender Aufnahme mit der Nahrung entstehen, wenn eine Aufnahme in den oder Aktivierung im Körper nicht erfolgt. Zum Beispiel kann Vitamin B12 nur aufgenommen werden, wenn ein bestimmer Faktor (intrinsic factor) in der Magenschleimhauit vorhanden ist. Bei den Betroffenen kan man dann B12 nur in Spritzenform verabreichen.
Vitamin D muss nach Aufnahme in den Körper oder nach Synthese in der Haut sowohl in der Leber (erste Stufe) als auch in der Niere (zweite und endgültige Stufe) aktiviert werden. Wenn, wie bei Nierenkranken und besonders bei Dialysepatienten, die Niere weitgehend zerstört ist, kann ein Mangel an aktiviertem Vitamin D entstehen.
Beispiele für Erkrankungen durch Vitaminmangel: Nachtblindheit bei Vitamin A- und Skorbut bei Vitamin C-Mangel, Rachitis, wenn Vitamin D fehlt, Blutarmut, wenn zu wenig Vitamin B12 im Körper vorhanden ist, Gerinnungsstörungen treten auf, wenn Vitamin K fehlt.

Andererseits kann eine übermäßige Zufuhr von Vitaminen, insbesondere der so genannten fettlöslichen Vitamine A, D und E zum Teil schwere Vergiftungen bewirken.

Geschichte: Entdeckt wurde als erstes Vitamin das B1: Ende des 19. Jahrhunderts beobachtete man bei Menschen und Hühnern auf Java und in Japan Lähmungen und Schwäche, nachdem man angefangen hatte, sowohl die Menschen als auch die Tiere mit geschältem oder poliertem statt mit braunem Reis zu ernähren. Das erste Vitamin fand sich also in der Schale des Reiskorns: das Thiamin. Chemisch gehört es zu den Aminen, man ergänzte dieses Wort durch Vita = das Leben und erhielt den Begriff Vitamine, der auch beibehalten wurde, als weitere lebenswichtige, aber chemisch anders geartete Stoffe entdeckt wurden. In der Folgezeit konnten weitere 12 Stoffe gefunden werden, die zumindest für den Menschen unentbehrlich sind und von ihm nicht synthetisiert werden können.

Vorkommen: Manche Lebewesen können Vitamine selber herstellen, so ist zum Beispiel das Vitamin C für Schweine kein Vitamin. Genau genommen ist auch Vitamin D keines im engeren Sinne, da der Mensch unter dem Einfluss ultravioletter Strahlung in der Haut Vitamin D aus Cholesterin herstellen kann.

Die meisten Vitamine finden sich sowohl in pflanzlicher als auch in tierischer Nahrung. Eine Ausnahme ist B12, welches nur in tierischer Nahrung vorkommt. In Pflanzen wird Vitamin B12 nur nach Aufbereitung durch Bakterien gefunden: zum Beispiel im Sauerkraut.

Haltbarkeit: Nach der Ernte verlieren viele Pflanzen durch Lagerung oder durch Zubereitung/Erhitzen einen Teil ihres Vitamingehaltes. Dieser bleibt höher, wenn sie direkt nach der Ernte eingefroren, blanchiert oder durch Einkochen in Dosen haltbar gemacht werden.

Ernährung: Eine zusätzliche Einnahme von Vitaminen in Supplementform ist bei ausgewogener Ernährung, möglichst ohne „fast food“, meistens völlig überflüssig.
Siehe auch: Vitaminsupplemente

Gunther Warnecke, Hamburg (Internist)

Quelle Deutsche Gesellschaft für Ernährung

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