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| Xenotransplantation 2007 | ||
| (erstellt am: 27.06.2007 - letzte Änderung:14.08.2008 - aufgerufen: 4573 Mal) | ||
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Gibt es Fortschritte in der Xenotransplantation? Im Deutschen Ärzteblatt , Jg. 104, Heft 25, 22. Juni 2007, gibt es einen kurzen Bericht über „Fortschritte bei der Xenotransplantation“. Darunter versteht man die Übertragung von Zellen, Geweben oder Organen von einer Art auf eine andere. Eine Tierart unterscheidet sich von einer anderen durch bestimmte Merkmale und dadurch, dass sie sich nicht mit der anderen fortpflanzt. Unter einer Xenotransplantation würde man also eine Organ- oder Gewebeübertragung von einem Tier auf einen Menschen verstehen. Um den Mangel an Spenderorganen zu beseitigen, gibt es schon seit Jahrzehnten Bemühungen, Organe von Schweinen zur Transplantation zu benutzen. Der Aufbau und der Stoffwechsel der Organe sind dem der Menschen ziemlich ähnlich. Eine Transplantation von totem und erregerfreiem Gewebe ist mit Verwendung von Schweineherzklappen schon seit Jahren etabliert. Trotzdem sind die Unterschiede noch so groß, dass das Immunsystem des Menschen ein Schweineorgan in Minuten abstoßen würde (hyperakute Abstoßung). Die zweite Schwierigkeit wird durch Krankheitserreger verursacht, die mit einem Organ oder einem Gewebe auf den Empfänger übertragen werden können. Die meisten Probleme erwartet man von Viren, die in die Erbeigenschaften der Tiere eingebettet sind (sog. PERV = Porcine Endogene RetroViren). Diese Viren, zu der auch das AIDS-Virus gehört, können ihre Erbinformation mithilfe eines bestimmten Enzyms umwandeln und diese in die Erbinformation von Wirbeltieren einschmuggeln. Was ist also fortschrittlich? Es gab ein Treffen der DAX (Deutsche Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation) in Berlin, auf dem über die neuesten Forschungsergebnisse berichtet wurde. Es ist gelungen, Schweine zu züchten, auf deren Organzellen bestimmte chemische Eigenschaften, die eine heftige,akute Abstoßung provozieren, nicht mehr vorhanden sind. Das heißt aber nicht, dass die Organe nicht mehr abgestoßen werden. Man hat Schweineorgane auf Menschenaffen übertragen und musste, um sie zu erhalten, sehr hohe Dosen von Immunsuppressiva geben. Das sind Medikamente, mit denen das Immunsystem unterdrückt wird. Der zweite Fortschritt besteht darin, die Erbeigenschaften der Schweinezellen derart zu verändern, dass die in ihnen enthaltenen Viruserbeigenschaften nicht mehr aktiviert werden können. Damit könnte es auch nicht mehr zu einer Virusvermehrung kommen. Es bleibt aber die Sorge, was mit diesen Viren geschieht, wenn sie in einen menschlichen Organismus geraten, dessen Immunsystem massiv unterdrückt wird. So ist es nämlich nach einer Transplantation. Sollten sich diese Viren doch vermehren und vielleicht in ihren Eigenschaften, was Ausbreitung und Ansteckungsfähigkeit betrifft, erheblich verändern, wäre auch eine Übertragung auf andere Menschen nicht auszuschließen. Diese Möglichkeit ist bisher bei den Transplantationen auf Menschenaffen nicht beobachtet worden. Allerdings werden Viren von Schweinezellen auf menschliche Zellen übertragen, wenn man sie im Reagenzglas zusammenbringt. Es gibt eine Einzelmitteilung über einen neuseeländischen Diabetiker, der vor 10 Jahren Inselzellen vom Schwein implantiert bekommen hat (Inselzellen produzieren Insulin). Bislang sind die vom Schwein stammenden Zellen bei diesem Patienten immer noch nachweisbar und eine Infektion wurde nicht (oder noch nicht) beobachtet. Einschränkend muss man sagen, dass noch gar nicht alle Viren bekannt sind, die bei Schweinen Infektionen verursachen können. Erste klinische Behandlungen, d.h. Übertragung von Tierorganen auf Menschen, sind für 2010 geplant. Schon in den 90-er Jahren wurde prophezeit, dass in wenigen Jahren Tausende von Menschen mit Tierorganen versorgt sein würden. Inzwischen haben sich sehr viele Firmen aus der Forschung über Xenotransplantation zurückgezogen. Intensiv geforscht wird noch bei der Firma Novartis, die führend in der Herstellung von immunsuppressiv wirkenden Medikamenten ist (z. B. Sandimmun). Auch Fragen zur Ethik müssen beantwortet werden. Darf man Tiere als „Ersatzteillager“ benutzen? Bei zur Zeit einer Milliarde Schweinen auf der Erde, die der Ernährung dienen, ist das eine schwierige Frage. Gunther Warnecke, Hamburg (Internist) | ||
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Literatur: Deutsches Ärzteblatt Juni 2007 Website der Gesellschaft für Virologie e.V. (http://www.g-f-v.org) Website des Verbandes Menschen für Tierrechte (http://www.tierrechte.de) | ||
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